Literatur

Literatur-Tipps

Mittagsstunde

Juli 2019
von D√∂rte Hansen  (Penguin Verlag)

Als Ingwer Feddersen in sein Heimatdorf zur√ľckkehrt ist ihm schwer ums Herz. Ella, die Gro√ümutter beginnt dement zu werden und der Gro√üvater S√∂nke h√§lt stur in seiner alten Dorfwirtschaft die Stellung.
Nichts ist leicht: Die gro√üen H√∂fe sind gewachsen, haben modernisiert. Kleine Betriebe haben aufgegeben. Ingwer Feddersen hat – gegen den Wunsch des Gro√üvaters in Kiel studiert und k√ľmmert sich nun um seine alten Leute. Mit gro√üer W√§rme erz√§hlt D√∂rte Hansen von den Ver√§nderungen, die in b√§uerlichen Gemeinden vor sich gehen, eingewebt in die Geschichte einer b√§uerlichen Familie.
 

Kaffee und Zigaretten

Mai 2019
Ferdninant von Schirach  (Luchterhand Verlag)

In diesem Buch geht es um pr√§gende Erlebnisse,  Begegnungen und Ereignissen des 1964 geborenen Rechtsanwalts. Es ist ein sehr pers√∂nliches Werk, in denen er diese Geschehnisse in sein moralisches, durchaus b√ľrgerliches Empfinden einzuordnen versucht. Dabei werden in sachlichem und n√ľchternem Erz√§hlstil Episoden des aktuellen Tagesgeschehens verbunden mit historischen Ereignissen. Zum Beispiel zitiert er seinen Gro√üvater Baldur von Schirach, der 1942 die Deportation der Juden in Wien als einen „aktiven Beitrag zur europ√§ischen Kultur“ genannt hat und stellt sie seiner Scham gegen√ľber als er mit einer j√ľdischen Anw√§ltin spricht, deren Gro√ümutter in Wien deportiert worden ist. Eine Begegnung mit Lars Gustafsson f√ľhrt zu der Erkenntnis, dass die Frage nach einem gelingenden Leben so kompliziert sein kann, wie der Aufschlag beim Tennis. Ein Buch, dass in seinen kurzen Beitr√§gen einl√§dt √ľber sich und die Welt nachzudenken.

Was man von hier aus sehen kann

April 2019
von Mariana Leky (Dumont Verlag)

Immer wenn Selma im Traum ein Okapi erscheint, stirbt am n√§chsten Tag jemand im Dorf. Sobald es die Runde macht, f√ľhrt es zu einer enormen Spannung unter den Dorfbewohnern, den niemand weiss, wen es treffen wird. Ein wundersames Buch √ľber die Beziehungen innerhalb eines Dorfes im Westerwald und ein Buch √ľber die Liebe. Luise, Selmas Enkelin ist verliebt in einen jungen Mann, der in Japan in einem buddhistischen Kloster liebt, und das Dorf nur besucht. Der Optiker liebt Selma – jahrzehntelang …. und wagt es nicht zu sagen. Ein Buch, in wunderbarer Sprache unterhaltsam geschrieben, das einen lachen und weinen l√§sst.

Töchter einer neuen Zeit

April 2019
von Carmen Korn (Rowohlt Verlag)

Dieser Roman erz√§hlt von vier Frauen, zwei Weltkriegen und hundert Jahren Deutschland: Henny will einer friedlichen neuen Generation auf die Welt helfen und beginnt 1919 eine Hebammenausbildung in der Finkenau, einer Hamburger Frauenklinik. Der erste Weltkrieg liegt gerade hinter ihr und endlich herrscht Frieden. Henny’s Kollegin K√§the stammt aus einfachen Verh√§ltnissen und sympathisiert mit den Kommunisten. Lina f√ľhrt als alleinstehende Lehrerin ein unkonvesionelles Leben und  Ida wohnt in einem herrschaftlichen Haus und weiss nichts von der Welt. Diese vier Frauen teilen H√∂hen und Tiefen miteinander, erleben den Aufstieg der Nationalsozialisten und den drohenden zweiten Weltkrieg. Es ist der Auftakt einer Trilogie, der diese Frauen bis ins 20. Jahrhundert begleitet.
Es ist ein mitreissender Roman √ľber Sozialgeschichte, den man nicht so leicht aus der Hand legt. 

Vom Ende der Einsamkeit

März 2019
von Benedict Wells (Diogenes Verlag)

Beh√ľtet wachsen Jules Moreau und seine Geschwister auf, bis ihre Eltern bei einem Verkehrsunfall ums Leben kommen und sie in ein Internat kommen. Jedes der Geschwister versucht auf seine Weise mit diesem Schicksal fertig zu werden – ihre Wege driften auseinander.
Der Roman begleitet die Geschwister √ľber mehrere Jahrzehnte.
Ein ber√ľhrender Roman √ľber das √úberwinden von Verlust und Einsamkeit und dazu eine gro√üe Liebesgeschichte.

Altes Land

Februar 2019
von Dörte Hansen (Knaus Verlag)

1945 kommt das „Polackenkind“ Vera f√ľnfj√§hrig auf den Hof im Alten Land. Sie ist mit ihrer Mutter aus Ostpreu√üen geflohen und f√ľhlt sich lange fremd in dem gro√üen, kalten Bauernhaus, den sie irgendwann sogar erben wird. Sechzig Jahre sp√§ter steht pl√∂tzlich ihre Nichte samt ihrem kleinen Sohn aus Hamburg vor der T√ľr. Auch sie ist geflohen, vor ehrgeizigen Vollwert-Eltern, vor Ihrem Mann, der eine andere liebt …
Mit scharfen Blick und trockenem Witz wird √ľber zwei Einzelg√§ngerinnen berichtet, zwei starke Charaktere die √ľberraschend finden, was sie nie gesucht haben: eine Familie.

Der Club

Dezember 2018
von Takis W√ľrger (Kein & Aber Verlag)

Hans Stichler kommt aus einfachen Verh√§ltnissen und bekommt √ľber seine etwas merkw√ľrdige Tante nach dem Tod seiner Eltern ein Stipendium in Cambridge – als Gegenleistung soll er dort ein Verbrechen aufkl√§ren. Er schafft es in den elit√§ren Pitt Club aufgenommen zu werden und verliebt sich in Charlotte. Was ist Hans bereit zu geben, um dazuzugeh√∂ren? Muss er das Falsche tun, um das Richtige zu erreichen?
Ein Buch, das einen vom ersten Moment an gefangen nimmt. Grandios erzählt.

√úber den Rand der Welt

November 2018
von Ulli Olvedi (Piper Verlag)

 

Nora ist √ľber 60 als sie erneut an Krebs erkrankt. Sie ist voller Angst aber auch entschlossen, dem Tod mit wachem Geist zu begegnen und begibt sich √§u√üerlich nach Kathmandu und innerlich auf die Suche, sich mit dem Tod zu vers√∂hnen. Es ist ein spiritueller Roman √ľber das Sterben, der die Leserin, den Leser vor die Frage stellt, welchen Sinn er dem eigenen Leben gibt.

Das Haus an der Moschee

Oktober 2018
von Kader Abdolah (List Verlag)


Seit 800 Jahren wohnt in einem alten Haus neben der Moschee die Familie eines Teppichhändlers. Man lebt dort in einträchtiger Harmonie, bis die von Teheran ausgehendem Aufstände gegen das korrupte Regime des Schahs auch dieses Dorf erreicht.
Die Geschichte einer iranischen Großfamilie entblättert sich wie ein bunt schillernder Teppich.

Das achte Leben

September 2018
von Nino Haratischwili (Ullstein Verlag)

Viele Leben werden hier beschrieben und miteinander bis in die Gegenwart verbunden. Ein Teppich an Geschichten, die nicht nur eine sowjetische, sondern auch eine georgische Familiengeschichte des 20ten Jahrhunderts erz√§hlen. Jedes Familienmitglied ist ein Faden des Teppichs, der andere F√§den bindet. Von Generation zu Generation erf√§hrt der Leser etwas √ľber die Geschichte dieser Zeit, von Revolution, Stalinismus bis zum Ende des Kalten Krieges und befindet sich gleichzeitig im dichten Netz der georgischen Familie und ihrer Mitglieder. Privates und Weltgeschichtliches ist hier auf wunderbare Weise spannend erz√§hlt. Sehr lesenswert.

Das Leben und Sterben der Flugzeuge

August 2018
von Heinrich Steinfest (Piper Verlag)

Kann man gleichzeitig ein deutscher Kommisar namens Blind sein und ein Spatz am Pariser Bahnhof? Kann es in Belfast eine geheime Etage geben, die sowohl f√ľr den Spatz als auch f√ľr den Kommisar lebenswichtig ist, obwohl dieser Wolkenkratzer noch nicht einmal erbaut worden ist?
Wer die Romane von Heinrich Steinfest kennt, weiss, dass er den Leser mitnimmt in eine Gratwanderung von Phantasie und Realit√§t die das Lesen dieses Romans zu einem atemberaubenden Vergn√ľgen macht.

 

Lost in Fuseta

Juli 2018
von Gil Ribeiro (KiWi Verlag)
Der erste Fall f√ľr Leander Lost, der wegen einem Austauschprogramm aus Hamburg an die Algarve vesetzt wird. Am Flughafen nehmen ihn Sup-Inspektorin Rosado und ihr Kollege Esteves in Empfang. Eine Teambildung besonderer Art beginnt, als die beiden erkennen, dass der Kollege Lost nicht nur merkw√ľrdig gekleidet ist, sondern sich auch sehr merkw√ľrdig verh√§lt. Erst langsam kommen sie dem M√∂rder eines Privatermittlers als auch der Tatsache auf die Spur, dass die Merkw√ľrdigkeiten des Kollegen Lost dem Asperger-Syndrom geschuldet sind. Mit genauem Gesp√ľr f√ľr Spannung, mit viel Humor und Sinn f√ľr psychologische Details ist dieses Buch genau das richtige f√ľr den Urlaub.

Hier treffen sich f√ľnf Fl√ľsse

April 2018
von Barney Norris (Dumont Verlag)

S√ľdwestlich von London, in Salisbury kreuzen sich f√ľnf Fl√ľsse. Bei einem Autounfall kollidieren f√ľnf Schicksale miteinander. Von diesen f√ľnf Personen erz√§hlt dieses Buch: eine Floristin, ein Schuljunge, ein verwitweter Farmer, die Frau eines Offiziers im Afghanistaneinsatz und ein Nachtw√§chter. Sie alle sind einsam und suchend und m√ľssen sich im Angesicht dieses Unfalls ihren ganz pers√∂nlichen Kathastrophen stellen. Ein ber√ľhrendes Buch das lange nachwirkt.

Madame Hemingway

März 2018
von Paula McLain (atb Verlag)

Hadley Richardson ist 1920 achtunzwanzig Jahre alt als sie Ernest Hemingway trifft. Sie ist von dessen gutem Aussehen, seiner Wortgewandtheit, aber auch von seiner Gef√ľhlstiefe sofort eingenommen. Nach einer turbulenten Zeit des gegenseitigen Umwerbens heiraten die beiden und gehen nach Paris, wo sie Teil einer schillernden Gruppe Amerikaner werden, unter ihnen Getrude Stein, Ezra Pound, F. Scott und Zelda Fizgerald. Das Paris dieser Zeit ist schillernd und glamour√∂s, aber die Menschen auch noch traumatisiert vom 1. Weltkrieg. Die traditionellen Vorstellungen von Familie und Treue werden hinterfragt. Eine tief ber√ľhrende Lebens-, und Liebesgeschichte, die sich zu lesen lohnt.

Warten auf Bojangles

Februar 2018
von Oliver Bourdeaut (Piper Verlag)
Ein Ausnahmebuch!
Georges liebt seine Frau, die er nie l√§nger als zwei Tage beim gleichen Namen nennt, hingebungsvoll. Sie tanzen zu „Mr. Bojangles“ dem einzigen Lied, das auf ihrem Plattenspieler laufen darf und trinken dazu Cocktails. Mit ihrem Sohn machen sie Urlaub in ihrem Wolkenschloss in Spanien. Es ist ein Leben voller √úberraschungen und ungew√∂hnlichen Einf√§llen, bis Georges seine Frau eines Tages v√∂llig verwirrt auf einer Krankenliege vor dem Haus vorfindet: Sie hat „aus Versehen“ das Haus angez√ľndet. Jetzt finden √Ąrzte neue Worte f√ľr die „Verr√ľcktheiten“ der Frau und empfehlen eine Therapie. doch das w√ľrde bedeuten, dass Georges und der gemeinsame Sohn alles verlieren. Ein Buch, traurig und sch√∂n und tief ber√ľhrend. Ein Muss!