Atemfundus

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Über das Gähnen

“Gähnen ist die Urform der Tiefenatmung” sagt Alice Schaarschuch.
Alle Säugetiere gähnen, selbst Vögel, Fische und Reptilien. Warum also ist es in der Öffentlichkeit so verpönt und wird unterdrückt – nehmen wir die Hand vor den Mund um es zu verbergen?
Gähnen verbessert die Lungenfunktion, hilft Stress abzubauen (beeinflusst z.B. den Spannungszustand der Muskulatur), aktiviert das Nervensystem (Blutgefäße, Drüsen, Schleimhäute) und im MRT wird sichtbar, dass beim Gähnen dieselben Hirnareale aktiv sind wie bei der Selbsteinschätzung oder dem autobiographischen Gedächtnis. Es sind dieselben Neurotransmitter unterwegs, die auch den Appetit und die Emotionen beeinflussen. Es wird vermehrt Serotonin ausgeschüttet, was zu einem Gefühl der Gelassenheit und innerer Ruhe führt, dämpft Aggression, Angst, Kummer-, und Hungergefühle. Auch Dopamin wird beim Gähnen vermehrt ausgeschüttet udn so wird vermutet, dass Gähnen neben Lachen und Weinen das Verarbeiten von schmerzhaften Gefühlen begünstigt. Weiterlesen

Willigis Jäger ist von uns gegangen

Bestimmt kennen ihn viele von euch: er  ist am Freitag, den 20.03.20 im Kreise seiner WegbegleiterInnen auf den Benediktushof  friedlich eingeschlafen. Am 24.03.20 findet um 14 Uhr eine Trauerfeier statt, die auf der Website von Kloster Münsterschwarzach übertragen wird.
Hier findet ihr noch mehr Informationen dazu.
Ein großer Meister des ZEN ist von uns gegangen. Viele Menschen begleiten ihn auf seinem Weg mit Meditationen morgens um 7.30 Uhr und/oder abends um 19.30 Uhr.

Atemexkursion in die Heilig-Kreuz-Kirche mit Christoph Brech

Am 11.1.20 fanden sich einige AtemfreundInnen und Atemfreunde in der Heilig-Kreuz-Kirche im Stadteil Giesing ein um die neuen Kirchenfenster hinter dem Altar der Heilig-Kreuz-Kirche zu bestaunen. Mehr als 1000 Röntgenaufnahmen von Lungenflügeln hat der Künstler Christoph Brech dazu benutzt, einige davon von Gemeindemitgliedern. 
Von Künstler selbst durch die Kirche begleitet konnten wir die Lichtspiele bestaunen und der Entstehungsgeschichte lauschen. Dabei überzeugte uns der sympathische Künstler mit seiner Lebendigkeit und Atemwissen. 
Im Siebdruckverfahren wurden die Röntgenaufnahmen auf hellblaue Glasscheiben übertragen und mit blauer Farbe eingebrannt. Die Lungenflügel sind natürlich anonymisiert und von den meisten weiss niemand, wer sie getragen hat. Glaubensübergreifend sind sie Sinnbilder des Lebendigseins. “Solange man atmet, lebt man”. Sie sehen aus wie Engelsflügel, die aneinandergereiht durch ihre Unterschiedlichkeiten das Individuum verdeutlicht. Es lohnt sich wirklich sehr das Lichtspiel zu unterschiedlichen Tageszeiten in der Kirche zu beobachten.

Hier sehen Sie Fotos, die freundlicherweise von Iria Schärer zur Verfügung gestellt wurden.

 

 

Befreiter Naturatem

von Alice Schaarschuch

Foto: Michael Seyffer, München

In ihrer tiefen Natur-, und Gottverbundenheit und mit ernster Verantwortung für die heilenden und die gefährdenden Atemkräfte schrieben die Weisen und Priesterärzte vergangener Kulturen die Lehren vom Atem den Geheimlehren zu. Sie durften nicht anders als von  Mensch zu Mensch weitergegeben werden und wurden jeweils denen erschlossen, die eine  gewisse Stufe der Wesens- und Bewusstseinsentfaltung erreicht hatten. Das Erleben des Atems war Voraussetzung für jede weitere Entwicklung, Ausreifung und Kräftesteigerung im Menschen. Und heute? Es ist wohl noch nie soviel nach dem Atem gefragt worden wie in dieser katastrophen-reichen Zeit von den „nach Atem ringenden“ Menschen.
Auch weniger gute Selbstbeobachter werden sich der Unruhe, Enge und Bedrängnis ihres  Atems im Betriebskampf dieser Zeit zwangsläufig bewusst. In allen Kreisen und Lebensaltern finden wir die Herz-, Kreislauf- und Atemnöte, die früher den Managern vorbehalten schienen, neben den anderen enorm sich häufenden Erkrankungen. Mehr als irgendeines der vergangenen turbulenten Jahrzehnte fordert das gegenwärtige den frei atmenden Menschen.
Wenn viele auch nicht recht glauben, dass der Atem wirklich eine befreiende Rolle in ihrem Dasein spielen könnte, so lesen sie doch mit Interesse Zeitungsartikel über dieses Thema, üben nach bebilderten Vorschriften und nach täglichen Rundfunkbefehlen. Sie kaufen sich mehr oder minder gute Atemliteratur, suchen Yoga- und Atemgymnastiklehrer auf. Es scheint die Atemlehre keine geheime Sache mehr zu sein, sie liegt gleichsam Weiterlesen

Der Atem – Rhytmus des Lebens

in Radio Bayern 2 am 23.11.18
Der Atem ist der Hauch des Lebens und ist Grenze zwischen unbewusstem und bewusstem Funktionieren des Körpers, des Handelns, zwischen Natur und Kultur.
Hier können Sie den Podcast hören!

Atemkongress 2018

01. – 03. Juni 2018 in Herrsching am Ammersee
Hier finden Sie ein interessantes und vielfältiges
Angebot rund um den Atem
für Informationen bitte hier klicken

Die Funktion der Atmung nach der Polyvagal-Theorie

Die primäre Steuerung der Atmung geschieht durch das vegetative Nervensystem. Die Ruheatmung obliegt dem Vagus, die Stressatmung dem Sympathikus. In Extremfällen übernimmt wieder der Vagus in seiner unmyelisierten Form die Kontrolle und bewirkt eine maximale Reduktion der Atmung bis zum Atemstillstand.

„Physiologisch ‚zügelt’ das Atmen den Einfluss des myelinisierten Vagus auf das Herz. Wenn wir einatmen, wird der Einfluss des Vagus abgeschwächt, und die Herzrate steigt. Atmen wir aus, wird der Einfluss des Vagus stärker, und die Herzrate sinkt. Diese simple mechanische Veränderung beim Atmen verstärkt die beruhigende und allgemein positive Wirkung des myelinisierten Vagus auf den Körper.“ (Porges, 264).

Die Atmung ist ein untrüglicher Indikator für unseren inneren Zustand. Sobald die Atmung beschleunigt wird, verstärkt sich auch die Aktivität des Herzens, und die Stressreaktion setzt ein. Gleichzeitig wird die Aktivität des sozialen Systems herabgesetzt. Wir werden zunehmend gereizt und gehen den Menschen in unserer Umgebung „auf die Nerven“. Im Extremfall erstarren wir oder fallen wir in Ohnmacht und scheiden temporär völlig aus dem sozialen Netz aus. Deshalb sollten wir auf der Hut sein, wenn wir merken, dass unsere Atmung ohne körperliche Anstrengung hektisch zu werden beginnt. Sie signalisiert uns, ob wir uns in einer stressigen Situation noch im Griff haben, oder ob wir in der Hierarchie der vegetativen Zustände abrutschen. (Porges, 113)

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Über Günther Braunger

eine Biographie von Helga Segatz
Günther Braunger, ein genialer Heilpraktiker dieses Jahrhunderts, wurde am 08.05.1933 in München geboren und starb dort am 09.02.1999 im Alter von fast 66 Jahren.

Günther Braunger wurde Im Mai 1933, also kurz nach der Machtergreifung Hitlers, der am 30.01.33 von Paul von Hindenburg zum Reichskanzler ernannt wurde. Bereits zwei Tage nach seiner Geburt fand auf dem Königsplatz in München eine Bücherverbrennung statt. Die ersten Luftangriffen auf München begleiteten seine Einschulung und es fanden die ersten Judendeportationen statt.
1939 führte der deutsche Angriff auf Polen zum 2. Weltkrieg. Günther Braunger wuchs gemeinsam mit seiner Schwester auf in einer Gesellschaft, die geprägt war von der Diktatur Hitlers und seiner Partei, der
NSDAP. Sein Elternhaus konnte man als „gutbürgerlich“ bezeichnen: Der Vater war Inhaber eines Verlags, seine Mutter sorgte für den Haushalt.
Um zu den späteren Werdegang Günther Braungers besser zu verstehen ist es hilfreich zu wissen, dass um 1900 eine Lebensreformbewegung begann, die alle Bereiche der Menschen und der Gesellschaft erfasste. Sie erreichte ihren Höhepunkt 1925 und bewarb eine naturnahe Lebensweise, die im Alltag der Menschen als geistige Strömung präsent war.
Die Industrialisierung wurde verurteilt. Im Sinne dieses „Zurück zur Natur“ wurde die ökologische Landwirtschaft, der Vegetarismus, die Freikörperkultur, die Turnbewegung beworben. Die  Naturheilkunde erfreute sich zunehmender Beliebtheit und auch die Homöopathie.
Der Kneippbund hatte zahlreiche Anhänger. Dies machte sich die NSDAP zu Nutze: 1933 wurde die „Deutsche Lebensreform-Bewegung“ gleichgeschaltet und ging in die naturgemäße Lebens-und Heilweise der NSDAP auf. Aus der Erfahrungs-, und Laienheilkunde entwickelte sich der Heilpraktiker, der 1936 als freier Beruf anerkannt wird.

Die in München bekannte Arztpersönlichkeit Dr. med. Ludwig J. Schmitt erwirbt 1929 am Siegestor ein Gebäude in dem er eine Atemklinik errichten wird, die großen Zulauf hatte. Dort kamen alternative Heilverfahren zur Anwendung wie z.B. Homöopathie, Kneippanwendungen sowie viele Arten von Kräuterbädern. Darüber hinaus propagierte Schmitt Yogaübungen und interessierte sich für die Lehren des Paramahansa Yogananda . Der Arzt vertrat den Ansatz, dass es zwischen dem körperlichen Krankheitsgeschehen und psychischen Vorgängen eine Verbindung gibt. In den politischen Wirren jener Zeit wurde die Klinik geschlossen und Dr. J. Ludwig Schmitt kam in Haft. Im Mai 1941 nahm die Schmitt Klinik ihre Tätigkeit wieder auf und ab jetzt stand die Atemmassage im Mittelpunkt seiner Therapie. 
Die Begegnung mit diesem Arzt war für Günther Braunger von schicksalhafter Bedeutung. Weiterlesen

Chronisch lungenkrank – Was kann ich selbst tun?

Am Mittwoch, den 07.Dezember 2016 findet im Klinikum der Universität München im kleinen Anatomiesaal (Pettenkoferstr. 11, 2. OG) das 16. Patientenforum Lunge statt.
15.00 Uhr Begrüßung durch das Helmholtz Zentrum München
15.10 Uhr Asthma, COPD oder beides: Erste Anzeichen, Ursache und Diagnose
                 Dr. med. Kathrin Kahnert
15.50 Uhr Aktuelle Therapieansätze, Möglichkeiten der Behandlung von Asthma/COPD
                 Prof. Dr. med. Michael Pfeiffer
16.30 Uhr Exazerbationen – akute Krisen bei Lungenerkrankungen
                 Prof. Dr. med. Jürgen Behr
17.40 Uhr Schonen hilft nicht: Wie COPD- und Asthmapatienten von Sport und
                 Rehabilitation profitieren können.
                 Dr. med. Konrad Schultz
18.20 Uhr Praktische Übungsanleitungen zum Mitmachen
                Tägliches Training und Atemübungen
                Kathrin Süss

Bitte melden Sie sich bei Interesse bis 06.12.16 online oder per Email an. Der Eintritt ist frei.

Willentlich – bewusste Atmung

von Dr. Adolf Hoff (Arzt in Bad Wörishofen)
nach einem Vortrag gehalten auf dem 2. Internationalen Kongress für Atempflege im Freudenstadt/Schwarzwald am 28.04.1963

Der Mensch unterscheidet sich von den anderen Lebewesen dieser Erde unter anderem durch den Besitz des Bewusstseins und des freien Willens. Das Bewusstsein umschließt das Wissen, also die durch Erfahrung und Forschung erfassten Richtigkeiten, die unsere Umwelt und uns selbst betreffen. Dem Bewusstsein ist ferner Erkenntnis möglich, das ist die durch Intuition und Einsicht erlangte Schau des Hintergründigen, des den Sinnen Verborgenen, des Metaphysischen.

Der Mensch ist aber auch verhaftet dem Autonom-vegetativen, das nach naturgegebenen Gesetzen waltet und ferner dem Animalischen, das das Triebhafte umfasst.
Im pflanzlich-tierhaften Grunde wurzelnd, im Geistigen sich entfaltend, sehen wir den Menschen in seiner Geschichte und im einzelnen Individuum wachsen. Diese Evolution ist ein Vorgang der Entwicklung, wobei wir dieses Wort in seiner bildhaften Bedeutung verstehen wollen, nämlich als ein Freiwerden von Wickeln, ein Herauswachsen aus Bindungen und Fesseln, hin zur geistigen Entfaltung und Freiheit.
Entwicklung bedeutet einerseits das Freiwerden aus der unbewussten pflanzlich-tierischen Wesenheit und andererseits Entfaltung und Wachstum der im menschlichen Wesen eingefalteten Möglichkeiten.
Dies vollzieht sich aber nicht autonom gesetzmäßig „von selbst“, sondern erfordert das willentliche Mitwirken des Menschen. Diese Erkenntnis stellt einen Grundstein des Glaubens dar, der allen Menschen gemeinsam ist und unser Tun und Lassen zu  bestimmen hat.
Wenden wir uns dem Atem zu. Die Atmung wird vegetativ gesteuert, vollzieht sich autonom, ob wir wach sind, ob wir schlafen, ob wir bewusstlos sind, ja selbst in der Agonie, bis mit dem letzten Atemzug das Leben endet. Dieser elementare Lebensvorgang zeichnet sich dadurch aus, dass er als einziger vegetativ gesteuerter Vorgang auch bewusst-willentlicher Beeinflussung – in den dem Menschen gesetzten Grenzen – zugänglich ist! Diese Möglichkeit nutzen wir vor allem für die Tongebung, also für die Sprache und den Gesang. Weiterlesen

Atmen und Singen am Bodensee

Fotos von Iria Schärer und M. Ullrich, S. Starz und S. Haufe

Beglückt durch das wunderbare Wetter konnten wir die Sonne täglich in den Schlaf singen.
Danke an alle, die dabei waren und zu diesen schönen Tagen beigetragen haben.

 

 

Dieses Lauschen auf die Stille

Marianne Müller blickt auf ein ungewöhnliches und erfülltes Leben zurück. Sie wuchs mit zehn Geschwistern in Elmau auf. Ihr Vater, der das Schloss gebaut hat, bleibt ein großes Vorbild. Sie verlässt mit 40 Jahren ihre Heimat um Atemtherapie zu studieren. In der Arbeit mit ihren Patienten erlebt sie, wie aus der Stille Selbstbegegnung möglich wird. Die Suche nach der Stille führt sie nach Indien. Dort erkennt sie: der Körper wird alt, aber die Seele immer jünger und leichter.
Marianne Müller starb am 11.Oktober 2006 im Altenheim Marthashofen bei Grafrath. Der Bayerische Rundfunk hat unter Lebenslinien ein sehenswertes Portrait dieser ungewöhnlichen Frau ausgestrahlt.

Impressionen aus dem Waldviertel

Fotos von Helga Segatz
Dieser Kurs war für alle dicht und intensiv. Das Atmen, das die Sinne öffnete – die Wanderungen zu Kraftplätzen und Orten, die dann mit diesem geöffneten Sinnen so ganz anders wahrgenommen und erfahren werden konnten. Mit geöffneten inneren Augen und Ohren an den Plätzen verweilen und eintauchen in diese inneren und äußeren Räume. Ein Erlebnis besonderer Art.