Archiv f√ľr den Tag: 1. Juli 2010

Atmend den Bogen spannen

Von Matthias J. Ulrich

Seit dem Erscheinen von Eugen Herrigels Buch ‚Äö Zen in der Kunst des Bogenschie√üens‚Äė im Jahr 1948, assoziieren im Westen viele mit dem Bogenschie√üen nicht mehr eine alte Kriegskunst sondern eine meditative √úbung. Das Spannen des Bogens reizt uns, etwas von dieser Transformation zu erfahren.

Herrigel √ľbte f√ľnf Jahre in Japan bei Meister Awa Kenzo, bevor dieser ihm sagte, nun schie√üe nicht ‚Äöer‚Äė sondern ‚Äöes‚Äė.¬†
Am Anfang des √úbens stand der Atem.
Die ersten Versuche Herrigels den Bogen zu spannen kommentierte der Meister: ‚ÄěSie k√∂nnen es nicht, weil Sie nicht richtig atmen‚Äú und¬†¬†
¬†‚Äěmit der richtigen Atmung entdecken Sie den Ursprung geistiger Kraft. Je lockerer Sie sind, desto leichter flie√üt die Kraft.‚Äú Er fing also an, sich unter Anleitung seines Meisters erst einmal im Atmen zu √ľben, mit leichtem Summen um die Atmung zu kontrollieren. Er bem√ľhte sich gewissenhaft, den lockeren Atem auf das Bogenschie√üen zu √ľbertragen. Es wollte nicht gelingen. Der Meister, der das bemerkte, sagte: ‚ÄěDas ist gerade der Fehler, dass Sie sich darum bem√ľhen. Atmen Sie so, als h√§tten Sie nichts anderes zu tun.‚Äú
Nach langem √úben gelang es Herrigel dann tats√§chlich einmal, sich unbek√ľmmert in die Atmung fallen zu lassen. Er atmete nicht mehr, er wurde geatmet. Im Lauf der Zeit gelang es ihm immer √∂fter, bei v√∂lliger Lockerung den Bogen zu spannen und die Spannung zu halten. So verging das erste √úbungsjahr (1)
Wer von uns zum ersten Mal einen Bogen in die Hand nimmt ist weder in einem Zen-Kloster in Japan noch

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