Lyrik

Alle Einträge der Kategorie LYRIK

Mein Atem geht –

Rose gefrostet_klein

Foto: Helga Segatz, M√ľnchen

Mein Atem geht –
Was will er sagen?
Vielleicht: Schau! Hör! Riech! Schmeck! Greif! Lebe!
Vielleicht: Gott atmet in dir mehr als du selbst,
und auch in allen Menschen, Tieren, Pflanzen atmet
                                                           er wie in dir
und so Freude den Sinnen!
Lust der Geschöpfe!
Friede den Seelen!

Kurt Mati

 

Ein bisschen mehr Friede …

2015_Weinschenk_0029_klein_klein

Foto: Henner Weinschenk, M√ľnchen

 

 

Ein bißchen mehr Friede
Und weniger Streit;
Ein bi√üchen mehr G√ľte
Und weniger Neid;
Ein bißchen mehr Wahrheit
Immerdar
Und viel mehr Hilfe
Bei jeder Gefahr.

 


Ein bißchen mehr Wir

Und weniger Ich;
Ein bißchen mehr Kraft,
Nicht so zimperlich.
Ein bißchen mehr Liebe
Und weniger Haß;
Ein bißchen mehr Wahrheit-
Das wäre doch was!

Statt immer nur Unrast
Ein bi√üchen mehr Ruh‘;
Statt immer nur Ich
Ein bißchen mehr Du.
Statt Angst und Hemmung,
Ein bißchen mehr Mut
Und Kraft zum Handeln,
Das wäre gut!

Kein Tr√ľbsal und Dunkel,
Ein bißchen mehr Licht;
Kein quälend Verlangen,
Ein froher Verzicht –
Und viel, viel mehr Blumen
Während des Lebens
Denn auf dem Grabe
Bl√ľh’n sie vergebens.

Peter Rosegger, 1843 – 1918

Emily Elizabeth Dickinson

Foto Helga Segatz

Die Hoffnung ist das Federding,
das in der Seel‘ sich birgt
und Weisen ohne Worte singt
und niemals m√ľde wird.

Am s√ľ√ü’ten klingt es in den B√∂’n –
und schlimm der Sturm der kränkt
und Schaden bringt dem Vögelchen,
das soviel Wärme schenkt.

Ich hab’s auf fremd’ster See geh√∂rt
und auf der k√§lt’sten Flur;
doch nie hat’s in Gefahr begehrt
von mir ein Körnchen nur.

 

zum 01.01.2013

Foto Michael Seyffer, Leipzig

 

Alles ist Schwingung.

√Ąndere Deine Schwingung

und Du änderst Dein Leben.

(Pythagoras)

 

 

 

Werner Bergengruen

Foto: Michael Seyffer, Leipzig

Was dem Herzen sich verwehrte,
laß es schwinden unbewegt:
Allenthalben das Entbehrte     
wird dir mystisch zugelegt.
Liebt doch Gott die leeren Hände,
Und der Mangel wird Gewinn.
Immerdar erweist das Ende
sich als strahlender Beginn.
Jeder Schmerz entläßt dich reicher,   
preise die geweihte Not.
Und aus nie geleertem Speicher
nährt dich das geheime Brot. 

 Werner Bergengruen (1892 Р1964)

 

Dag Hammarskjöld

Foto: Sonja Bojko, Berlin

Jeder Tag der Erste-
Jeder Tag ein Leben.
Jeden Morgen soll die Schale unseres Lebens
hingehalten werden,
um aufzunehmen,
zu tragen
und zur√ľckzugeben.
Leer hinhalten,
denn was vorher war,
soll sich nur spiegeln
in ihrer Klarheit, ihrer Form, ihrer Weite

Abel steh auf

Foto: Michel Seyffer, M√ľnchen
Michael Seyffer, M√ľnchen

Abel steh auf, es muss neu gespielt werden
täglich muss  es neu gespielt werden
täglich muss die Antwort noch vor uns sein
die Antwort muss ja sein können wenn du nicht aufstehst
Abel wie soll die Antwort diese einzige wichtige Antwort sich je ver√§ndern wir k√∂nnen alle Kirchen schlie√üen und alle Gesetzb√ľcher abschaffen in allen Sprachen der Erde wenn du nur aufstehst und es r√ľckg√§ngig machst
die erste falsche Antwort auf die einzige Frage auf die es ankommt steh auf damit Kain sagt damit er es sagen kann Ich bin dein H√ľter Bruder wie sollte ich nicht dein H√ľter sein
T√§glich steh auf damit wir es vor uns haben dies Ja ich bin hier ich dein Bruder Damit die Kinder Abels sich nicht mehr f√ľrchten weil Kain nicht Kain wird Ich schreibe dies ich ein Kind Abels und f√ľrchte mich t√§glich vor der Antwort die Luft in meiner Lunge wird weniger wie ich auf die Antwort warte

Abel steh auf
damit es anders anfängt
zwischen uns allen

Die Feuer die brennen
das Feuer das brennt auf der Erde
soll das Feuer von Abel sein

Und am Schwanz der Raketen
sollen die Feuer von Abel sein

Hilde Domin

Die Erscheinung …

Foto: Helga Segatz

 

ist vom Beobachter

nicht losgelöst,

vielmehr in dessen Individualität

verschlungen und verwickelt.

 

Johann Wolfgang von Goethe

 

Rainer Maria Rilke zum Jahreswechsel

Foto: Henner Weinschenk, M√ľnchen

Wir wollen
glauben an
ein langes
Jahr
das uns gegeben
ist,
neu,
unber√ľhrt
voll
nie gewesener
Dinge,
voll
Aufgabe,
Anspruch
und Zumutung
und wollen
sehen
dass wir’s
nehmen
lernen.


Marc Aurel

Foto: Henner Weinschenk, M√ľnchen

Nach der Beschaffenheit
der Gegenstände,
welche du dir am häufigsten vorstellst,
wird sich auch
deine Gesinnung bilden,
denn von der Vorstellung
nimmt die Seele ihre Farbe an.

 

 

 

… √ľber die Zeit

Foto: Lisa Gmeiner, M√ľnchen


Der Mensch sagt, dass die Zeit vor√ľbergeht

die Zeit sagt, dass der Mensch vor√ľbergeht

indisches Sprichwort

 

 

 

 

 

Marc Aurel

Foto: Henner Weinschenk, M√ľnchen

 

Unser Leben ist das,

was unsere Gedanken

daraus machen

 

Marc Aurel

 

 

 

 

Leben

Foto: Helga Segatz

 

Leben heißt nicht nur Atem holen;
Es heißt handeln;
Es heißt: Gebrauch machen von unseren Organen,
von unseren Sinnen, von unseren Kräften,
von allen Teilen unseres Selbst,
die uns das Bewusstsein unserer Existenz geben.
Der Mensch,
welcher am meisten gelebt hat, ist nicht derjenige,
der die meisten Jahre gezählt hat,
sondern derjenige,
der das Leben am st√§rksten gef√ľhlt hat.
 

Jean Jaques Rousseau

 

 

Erzählungen der Chassidim

Rabbi Bunam sprach:
"Immerzu geht der Mensch
durch zwei T√ľren:
von dieser Welt hinaus,
zur kommenden Welt hinein
und wieder aus und ein."