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	<title>Atmen &#187; Fundus</title>
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	<description>mit Helga Segatz</description>
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		<title>Die Erscheinung &#8230;</title>
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		<pubDate>Tue, 01 Feb 2011 07:00:16 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Helga Segatz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Fundus]]></category>

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		<description><![CDATA[&#160;
ist vom Beobachter
nicht losgelöst,
vielmehr in dessen Individualität
verschlungen und verwickelt.
&#160;
Johann Wolfgang von Goethe  
&#160;
&#160;
&#160;
&#160;
&#160;Foto: Helga Segatz 
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			<content:encoded><![CDATA[<p><img style="margin: 10px" alt="" title="" src="/wordpress/wp-content/uploads/Mann%20mit%20Koffer%20klein_0037.jpg" width="200" align="left" height="356" /></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><font size="3">ist vom Beobachter</font></p>
<p><font size="3">nicht losgelöst,</font></p>
<p><font size="3">vielmehr in dessen Individualität</font></p>
<p><font size="3">verschlungen und verwickelt.</font></p>
<p><font size="3">&nbsp;</font></p>
<p><font size="2">Johann Wolfgang von Goethe </font> </p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;<font size="1"><span>Foto: Helga Segatz</span></font> </p>
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		<title>&#8220;noch eine Runde auf dem Karussell&#8221;</title>
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		<pubDate>Tue, 01 Jun 2010 07:36:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Helga Segatz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Fundus]]></category>
		<category><![CDATA[Stille]]></category>

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		<description><![CDATA[von Tiziano Terzani
Es gibt verschiedene Arten der Stille, und jede hatte ihre Besonderheiten. Tagsüber bestand die Stille aus dem Gezwitscher der Vögel, Tierrufen und dem Rauschen des Windes, und nie mischten sich die Geräusche darein, die nicht aus der Natur gekommen wären – weder von Motoren noch von Menschen. Nachts hingegen war die Stille ein [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img style="margin: 5px 15px 5px 5px" alt="" title="" src="/wordpress/wp-content/uploads/Lucklumbuddha%20klein.jpg" align="left" height="150" width="200" /></p>
<p>von Tiziano Terzani</p>
<p>Es gibt verschiedene Arten der Stille, und jede hatte ihre Besonderheiten. Tagsüber bestand die Stille aus dem Gezwitscher der Vögel, Tierrufen und dem Rauschen des Windes, und nie mischten sich die Geräusche darein, die nicht aus der Natur gekommen wären – weder von Motoren noch von Menschen. Nachts hingegen war die Stille ein gleichförmiges, tiefes Dröhnen, das aus den Tiefen der Erde aufstieg, die Mauern durchdrang und alles ausfüllte. Hier oben war die Stille ein Klang. Ein Symbol für die Harmonie der Gegensätze, die ich anstrebte? Meine Ohren hörten absolut nichts, doch dieses Dröhnen war in und um meinen Kopf. Die Stimme Gottes? Sphärenmusik? Während ich lauschte, versuchte ich sie einzuordnen – und konnte mir nur einen riesengroßen Fisch vorstellen, der auf dem Meeresgrund sang. Wundervoll, diese Stille! Und doch versuchen wir modernen Menschen</p>
</p>
<p> <span id="more-1193"></span>
<p> sie, wo es geht, zu vermeiden, haben fast Angst vor ihr, vielleicht, weil wir sie mit dem Tod gleichsetzen. Wir haben es uns abgewöhnt, still, allein zu sein. Drückt uns ein Problem oder spüren wir, dass uns Verzweiflung überkommt, betäuben wir uns lieber rasch mit irgendeinem Lärm oder mischen uns unter Leute, anstatt uns einen stillen abgeschiedenen Ort zu suchen, innezuhalten und über die Sache nachzudenken. Ein Fehler, denn die Stille ist eine Urerfahrung des Menschen. Ohne Stille kein Wort. Keine Musik. Ohne die Stille kann man nicht hören. Nur in der Stille ist es möglich, wieder in Einklang zu kommen mit sich selbst, die Bindung wiederzufinden zwischen unserem Körper und allem, was jenseits dessen liegt. </p>
<p>aus &quot;Noch eine Runde auf dem Karussell&quot; von Tiziano Terzani </p>
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		<title>Die Übung der Achtsamkeit</title>
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		<pubDate>Thu, 01 Oct 2009 07:00:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Helga Segatz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Fundus]]></category>
		<category><![CDATA[Achtsamkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Meditation]]></category>
		<category><![CDATA[Yoga]]></category>

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		<description><![CDATA[Von Evamaria v. Schneidemesser  Nach einem Vortrag gehalten auf dem Yogakongress in Willingen im Mai 1972
Die meisten Menschen sind sich heute mehr oder weniger dessen bewusst, dass wir in einer chaotischen Zeit des Umbruchs leben, in der die alten Wertvorstellungen nicht mehr existieren, neue Ordnungen sich aber noch nicht gefunden haben.  Wir ahnen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Von Evamaria v. Schneidemesser<br />  Nach einem Vortrag gehalten auf dem Yogakongress in Willingen im Mai 1972</p>
<p>Die meisten Menschen sind sich heute mehr oder weniger dessen bewusst, dass wir in einer chaotischen Zeit des Umbruchs leben, in der die alten Wertvorstellungen nicht mehr existieren, neue Ordnungen sich aber noch nicht gefunden haben.<br />  Wir ahnen es, dass ein neuer Mensch geboren werden sollte, ein Mensch mit einem erweiterten Bewusstsein, und wir suchen nach Möglichkeiten, zu dieser Bewusstseinserweiterung zu gelangen. Wir greifen zu Drogen, üben Yoga und Zen, meditieren, befassen uns mit Psychoanalyse, erforschen die außersinnlichen Kräfte usw.</p>
<p>In all dieser unruhigen Suche nach Wegen, auf denen wir zu uns selbst finden können, wodurch dann auch eine neue Ordnung des Zusammenlebens entstehen könnte, ist es gut zu wissen, dass es einen uralten Weg gibt, der zu der so ersehnten und notwendigen größeren Bewusstheit führt.</p>
<p>  <span id="more-897"></span>
<p>Vor 2500 Jahren hat der historische Buddha Gautama die „Übung der Achtsamkeit“ in seinen Lehren beschrieben und seine Anhänger immer wieder darauf hingewiesen, dass die Übung der Achtsamkeit der einzige Weg ist, der zur Aufhebung von Leiden und damit zu Glück und Frieden führt.<br />  Das Wort „Achtsamkeit“ ist im Deutschen ungebräuchlich und mag beim ersten Hören wenig anschaulich wirken. Wenn wir uns aber klar machen, was Unachtsamkeit ist, können wir eine Vorstellung davon gewinnen, was Achtsamkeit bedeutet. Alle anderen Übersetzungen des Pali-Wortes „Satipatthana“ wie Aufmerksamkeit, Besonnenheit, Klarheit, Wachheit bezeichnen den eigentlichen Sinn dieses Wortes nicht so gut wie gerade Achtsamkeit.</p>
<p>Um&nbsp; die Achtsamkeit im täglichen Leben üben zu können, nennt uns der Buddha vier Objekte oder Grundlagen dieser Übung:<br />  1. den Körper<br />  2. das Gefühl<br />  3. den Zustand des Geistes (oder des Gemütes)<br />  4. die Gedanken (die Inhalte des Bewusstseins)<br />  Es handelt sich bei diesen vier Objekten der Achtsamkeit nicht nur um uns selbst, um unseren eigenen Körper, unser eigenes Gefühl, unseren eigenen Gemütszustand und unsere eigenen Gedanken, sondern ebenfalls um die Achtsamkeit auf den Körper, das Gefühl, den Geisteszustand und die Gedanken anderer, soweit wir sie erkennen können.<br />  Bei der Achtsamkeit auf den Körper soll man sich darum bemühen, sich des Körpers bewusst zu sein, seine Bewegungen, Haltungen, Tätigkeiten und alle Sinneseindrücke registrieren. Der Körper ist nach den Worten des Buddha das Hauptobjekt für die Übung der Achtsamkeit. Wir üben die Achtsamkeit auf den Körper immer dann, wenn wir „mit dem Geist im Körper“ sind, z.B. beim Meditieren, beim Üben des Hatha-Yoga, beim Bewusstmachen der Atmung, beim Autogenen Training.<br />  Bei der Achtsamkeit auf das Gefühl wird nach der Anweisung des Buddha unterschieden zwischen angenehmen und unangenehmen Gefühlen oder mit anderen Worten zwischen Lust- und Unlustgefühlen, die wir uns bewusst machen sollen.<br />  Um die Achtsamkeit auf den Geistes-, oder Gemütszustand zu lenken, ist es eine gute Hilfe, sich an Gegensatzpaaren zu orientieren. Der Buddha gibt uns den Rat, festzustellen, ob unser Geist z.B. gesammelt ist oder zerstreut, ruhig oder unruhig, hasserfüllt oder hasslos, illusionslos oder mit Illusionen behaftet usw.<br />  Bei der 4. Übung, unsere Gedanken achtsam zu beobachten und zu registrieren, werden wir gewahr, dass wir keinesfalls nur denken, was wir wollen und was gerade erforderlich ist. Bei mechanischer Arbeit lassen wir fast immer unsere Gedanken umherschweifen. Wenn wir ein persönliches Problem haben, grübeln wir ständig darüber nach, wir drehen uns mit unseren Gedanken ohne Aufhören im Kreise. Ja oft ist es so, dass die Gedanken in uns herumtoben wie eine wild gewordene Herde von Affen. Nicht wir haben die Gedanken, sondern die Gedanken haben uns. Ein unwürdiger Zustand!<br />  In diesen vier Objekten der Achtsamkeit ist, wie der Buddha sagt, die ganze Welt enthalten.<br />  Für uns heutigen Menschen genügt es aber nicht mehr, wenn wir uns klarmachen, worauf wir die Achtsamkeit richten sollten. Wir müssen wissen, in welcher Art und Weise wir das überhaupt anfangen können. Dazu werden uns Hinweise gegeben in späteren Kommentaren und Lehrreden des Buddha und auch durch die Erfahrung aus neuerer Zeit.<br />  Wir sollten die Übung der Achtsamkeit beginnen mit dem sog. „Reinen Beobachten“. Wie verhalten wir uns eigentlich, wenn wir beobachten? Ist es nicht so, dass wir bei jedem Sinneseindruck sofort werten, urteilen, klassifizieren, also reagieren? Sehen wir dann überhaupt die Dinge so, wie sie sind? Durch unsere sofortige Stellungnahme verfälschen wir sie, nehmen nicht das wahr, was ist, sondern sind gefangen und unfrei durch unsere Vorurteile. Wir sollten versuchen, uns rein aufnehmend zu verhalten, nicht sofort zu bewerten mit unserem Gefühl oder Denken, sondern abzuwarten. Und wenn wir immer feststellen müssen, dass uns das nicht gelingt, sollten wir wenigstens unsere Reaktionen beim Beobachten registrieren.<br />  Zweitens ist es für die Art und Weise unserer Übung wichtig, dass wir versuchen, unpersönlich zu sein. Als Beispiel: Wenn wir unsere Gemütsverfassung beobachten, sollten wir nicht feststellen „ich bin zornig“ oder „ich bin guter Laune“ sondern lediglich „da ist Zorn“ oder „da ist gute Laune“. Wenn wir die Atmung beobachten, nicht registrieren „ich atme“ sondern „es atmet“, wenn wir gehen nicht „ich gehe“, sondern einfach „gehen“. Auf diese Weise bekommen wir Abstand von uns selbst und die Egozentrik baut sich ab. Wir werden dann aufhören, uns selbst zu verurteilen und damit fällt auch das Verurteilen unserer Mitmenschen weg. <br />  Die Übung der Achtsamkeit ist nicht schwer zu verstehen und ihre Notwendigkeit leicht einzusehen. Wer aber ernsthaft mit dem Üben beginnt, wird entdecken, wie schwer es ist, achtsam zu sein. Wir brauchen jedoch deswegen nicht zu verzagen und die Übung vielleicht sogar aufzugeben. Es wird nicht mehr von uns verlangt, als wir tun können. Wenn wir feststellen, dass es uns unmöglich ist, den ganzen Tag achtsam zu sein, genügt es, wenn wir ab und zu innehalten und offen und still sind. Achten auf die Unachtsamkeit ist manchmal das Einzige, was wir tun können.<br />  Wenn wir ohne Ehrgeiz und ohne ein Ziel erreichen zu wollen, uns darum bemühen, so gut es geht, achtsam zu sein, werden wir vielleicht eines Tages bemerken, dass wir einiges an Selbsterkenntnis gewonnen haben, und dass es in unserem Inneren stiller geworden ist. Das ist schon viel. <br />  &nbsp;</p>
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		<title>Schweigen</title>
		<link>http://www.atemmassage.de/2009/01/schweigen/</link>
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		<pubDate>Thu, 01 Jan 2009 13:47:25 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Helga Segatz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Fundus]]></category>

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		<description><![CDATA[von Dieter Mittelsten Scheid, Dr.med., Psychotherapeut, Atemtherapeut             http://www.locpoci.com 
Es ist still. Die Gegenwart ist da. Sie nimmt mich wahr; ich nehme sie wahr. Sie und ich verschmelzen miteinander. Es ist, was ist. Sein, Tun und Wahrnehmen werden eins. Die Natürlichkeit des Lebens spielt [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>von Dieter Mittelsten Scheid, Dr.med., Psychotherapeut, Atemtherapeut<br />             <a href="http://www.locpoci.com" title="" target="_blank">http://www.locpoci.com</a> </p>
<p><img style="margin: 3px" alt="" title="" src="/wordpress/wp-content/uploads/defaul4.jpg" align="left" width="200" height="150" />Es ist still. Die Gegenwart ist da. Sie nimmt mich wahr; ich nehme sie wahr. Sie und ich verschmelzen miteinander. Es ist, was ist. Sein, Tun und Wahrnehmen werden eins. Die Natürlichkeit des Lebens spielt sich selbst. Das Licht mit seinen Reflektionen und Schatten, die tanzenden Bewegungen der Blätter und das Schwingen des hohen Halms im hörbaren Wind. Die von Wasserläufern erzeugten Wellenkreise breiten sich aus, und ihre Schatten laufen über den Grund. <br />               Nicht zu reden bewirkt eine grundlegende Verwandlung, eine qualitative Veränderung im Gewahrsein und in der Achtsamkeit. Der Fokus verschiebt sich vom Verbalen zum Unmitttelbaren. Zu schweigen ist eine Einladung, alles in sich einzulassen, was nicht aus Worten besteht. Ein unbekanntes Land tut sich auf. Eine Wirklichkeit , die aus sich selbst wirklich ist, ohne eine definierbare Bedeutung zu haben. <br />               Ankommen ist alles, </p>
</p>
<p> <span id="more-380"></span>
<p>ankommen hier. Alles, was jemals war, hat seinen Platz hier. Alles, was ist, hat seinen Platz hier. Selbst das Ich mit seinen verschlungenen Bewegungen ist ganz und gar aufgehoben hier. Weder richtig noch falsch, weder gut noch schlecht haben Bedeutung oder einen Sinn. Selbstverständlich ist alles, wie der Gesang der Vögel und die sich wandelnden vobeiziehenden Wolken. Nichts mehr, nichts weniger, und doch nichts dem anderen gleich. <br />               Wenn die Augen sich schliessen, beginnt die Reise nach innen. Die Geräusche aussen, die Bewegung des Atems innen. Die Haut, der Duft, das Spüren im Körper. Sich sinken lassen in all dies. – Und aus diesem Eintauchen in das direkte Empfinden darauf achten, wie sich und was das Denken bewegt. Das Denken ist eine eigene Welt, eine eigene Wirklichkeit aus Gefühlen, Erinnerungen, Bildern und Ich. Schweigend dem Gedankenfluss zuschauen und erstaunt bemerken: Ich, den ich kenne, bestehe aus Denken; ohne Denken gibt es mein definiertes Ich nicht. Statt einer persönlichen Identität erfüllt das direkte Empfinden zu sein den wortlosen Raum.<br />               Welche Befreiung, nichts erklären zu müssen! Niemand füllt mich mit Geschichten, und ohne die Geschichten der anderen wird auch meine Geschichte bezugslos. Ich kann sie erzählen, ich kann sie vergessen, niemand bemerkt es, denn das Publikum bin ich.&nbsp; Ich schaue mir zu, wie ich&nbsp; mich beschreibe und wie die Beschreibung meine Gefühle und meine Absichten erzeugt. Alle meine Fragen werden sichtbar im Spiegel, und die Frage ist der Frage Antwort zugleich.<br />               Jetzt, in der Stille, wird die Stille bewusst. Sie fällt in sich selbst hinein und verstummt im Lauschen auf den stillen, tiefen Gesang. Er fliesst dahin und trägt alles in sich. Unbekannt ist das Neue, unbekannt ist das Jetzt. Alles, was ich über mich weiss, wird still in der Stille. Ich bin unbekannt. Ich erscheine jeden Moment neu. Nichts gibt es zu sagen, das bedeutungsvoller wäre als das, was gerade geschieht.&nbsp; Es geschieht als das Einzige, was geschieht, und es trägt alles was ist und alles, was möglich ist, in sich. Deshalb ist es vollkommen.<br />               Warum schweigen, in einer Wirklichkeit und einer Umgebung aus Worten, die unsere alltägliche Welt bestimmen und gestalten? Warum das Gewohnte verlassen, in dem wir häuslich eingerichtet wurden? Warum uns im Stillsein fragen, wer wir wirklich sind? –Brauchen wir nicht Worte und Identität, um zu funktionieren und zu überleben? Geraten wir nicht in eine Absonderung und Aussenseiterposition, wenn wir einmal aufhören zu reden? Verlieren wir nicht den notwendigen Kontakt zu unserer Lebensrealität? – All dies könnten wir befürchten, wenn wir die Erfahrung des Schweigens nicht kennen.<br />               Doch auch unser Alltag findet immer im Raum der Gegenwart statt, dessen Grundqualitäten Stille, Lebendigkeit und alles annehmendes Fliessen sind. Unsere persönlichen Geschichten und Erlebnisse fühlen sich tagtäglich nur deshalb wirklich an, weil wir immer jetzt atmen und dadurch mit allem Gegenwärtigen verbunden sind. Doch ist uns das so selbstverständlich geworden, das wir das Leben selbst in unserem persönlichen Tun kaum noch spüren. Unser Ich, unsere Familie, unsere Arbeit und die Geschehnisse der Welt, wie sie uns über die Medien vermittelt werden, beherrschen unser Bewusstsein. Doch schon bald, wenn wir einmal schweigend durch uns hindurch in die Gegenwart lauschen, &#8211; und das können wir überall und jederzeit tun – kommen wir im Jetzt an und werden sogleich verwandelt. <br />               Mich einlassen, mich lassen. Welche Wohltat nach all dem beschäftigten und mechanischen Funktionieren! Welch eine Erholung in meinem lustbezogenen Getriebensein, meinen Konflikten, meiner inneren Verwirrung und meinem gesellschaftlichen Stress! Zu bemerken, wieviel ich ständig tue, um irgendwo hinzukommen, wo ich nicht bin. Ich vergesse die Gegenwart und arbeite angestrengt für etwas, das ich mir in der Zukunft erträume. Ich vergesse die Gegenwart und leide an alten Verletzungen oder Verfehlungen, die ich aus der Erinnerung immer wieder erneut erzeuge. Ich bin mit meinem Selbstbild beschäftigt und vergesse das Empfinden zu sein.<br />               Das Empfinden zu sein ist sicherlich das kostbarste Geschenk des Lebens. Sein, atmen, spüren, lauschen, fühlen, verschmelzen. Ganz unmittelbar in die Wahrnehmung eintauchen, in dieses unbegreifliche Geschehen, das jetzt gerade ist. Aufhören die oder der Tuende zu sein und sich ganz dem überlassen, das von selbst geschieht.<br />               Gemeinsam über längere Zeit mit anderen zu schweigen, ist dann eine besondere Erfahrung. Wir wissen fast nichts voneinander. Wir begegnen und berühren einander wortlos, über die Augen, die Mimik, die Gesten, unsere Art uns zu bewegen, unsere Ausstrahlung. Was wir übereinander denken und wo sich unsere Ansichten treffen oder widersprechen bleibt verborgen. Doch wir spüren eine grosse Gemeinsamkeit, wir fühlen uns verbunden, denn wir sind zusammen da. Im Sosein jedes einzelnen wird ganz von selbst etwas unhinterfragbar Stimmiges und Einmaliges sichtbar, eine eigene Schönheit, die unmittelbar liebenswert ist. <br />               Oder aber irgendwo für sich allein einige Tage in die Stille lauschen. Das pausenlose innere Gespräch verstummen lassen. Ohne Worte den Augenblick spüren und Einswerden mit dem, das gerade ist. Es gibt nichts zu tun, zu erfüllen oder zu beweisen. Kein Sollen, kein Wollen, kein Werten, kein Wehren. Einfach so, einfach jetzt. Im Hintergrund läuft noch immer der Film meiner bekannten Welt. Er gehört dazu, aber er ist nicht wesentlich, auch wenn er meistens so tut als ob. Wesentlich ist die direkte Erfahrung, dass es nicht bedrohlich ist, Gesicht oder Bedeutung zu verlieren, sondern zutiefst erholsam und unmittelbar belebend und stärkend.<br />               Schweigen schenkt uns die Zeit, alle Sinne zu öffnen und von einem Raum des bewussten Gewahrseins aufgenommen zu werden. Alle Denkinhalte werden relativiert; alle Konzepte, Ideologien und alle Selbstwichtigkeit werden fragwürdig und überflüssig. Das Lebendige selbst birgt alle Kostbarkeit in sich. Licht spielt auf den silbrigen Olivenzweigen, Insekten und Vögel machen Musik, die leuchtenden Mohnblumen zwischen den Haferhalmen am Wiesenrand werden schwebend bewegt. Die Stille in der Tiefe des Lebendigen wird nach und nach hörbar. Sich ihr anvertrauen, sich von ihr tragen lassen in einem bedingungslosen Ja. In der Stille der Stille zu Hause sein. Das Gehirn wird durchzogen von einer unbekannten Frische, die alles löst und alles verbindet. Es gibt nichts mehr zu sagen…<br />               Warum fällt uns das so schwer? Warum gönnen wir uns so selten Zeiten des Schweigens und der Stille, mit ihrer heilsamen Kraft, ihrer berührenden und klärenden Wirklichkeit und ihren kreativen Anregungen? Was treibt uns durchs Leben, von einem Gespräch zu dem nächsten, von einer Tätigkeit zur anderen, von einem oberflächlichen Vergnügen zum nächsten? Was bewegt uns im Leben, von dem wir meinen, dass es wichtiger ist als das Leben selbst? &#8211; Ist es, dass wir unter dem Zwang, unseren Lebensunterhalt zu verdienen, unserer Familie zu genügen und ein wenig Freizeitabwechslung zu finden, das Andere, das unmittelbar Gegenwärtige nicht mehr spüren oder kennen, und es vielleicht sogar vergessen haben? Ist es, dass wir Scheu oder Angst davor haben, eine Hürde zu nehmen oder vielleicht eine Krise durchzustehen, um endlich einmal innezuhalten und darauf zu achten, was nicht aus Worten und nicht aus Ich&nbsp; besteht? Ist es, dass wir durch unsere Erziehung und den ständigen Einfluss der Gesellschaft und der Medien das Wichtigste im Leben verlernt haben: die Fähigkeit im Sein zu sein? <br />               Wir alle können uns jederzeit dafür entscheiden, dieses Wesentliche, das unser Wesen ausmacht, neu zu entdecken und zu ergründen. Es genügt, dafür im Terminkalender einfach eine bestimmte Zeit freizulassen. In dieser Zeit schweige ich und gehe in die Stille. Ich kann es alleine tun oder in einer Gruppe. Das einzig Wichtige ist, dass ich mich ohne Aufgaben, Verpflichtungen oder Ablenkungen dem Unmittelbaren zuwende. Erst erlebe ich es noch getrennt von mir, und meine Aufmerksamkeit ist noch von meinen Lebensinhalten, Erinnerungen und Plänen absorbiert. Ich mag mich langweilen oder mich sogar von der strukturlosen Untätigkeit und Leere bedroht fühlen. Vielleicht fängt mein Denken auch an, sich immer schneller im Kreis zu bewegen und mir die Illusion einzureden, dass ich in diesem schweigenden Raum sicherlich bald verrückt werde. <br />               Doch nach und nach weitet sich mein Blick, und ich spüre, dass es etwas gibt, das ganz unberührt ist von meiner Welt mit ihren Gedanken und Gefühlen, und dass dieses Etwas mich einlädt, hineinzugehen und es kennenzulernen. Wie von selbst wird dann auf einmal alles anders. Ich vergesse mich mehr und mehr und spüre selbstvergessen wie Leben geschieht. Das unbegreifliche Wunder des Lebendigen ist plötzlich ganz dicht bei mir. Selbst wenn ich kein religiöser Mensch bin, ruft es mich in eine andere Dimension, in etwas ganz und gar Heiles und vielleicht Heiliges. Ich spüre auf einmal, dass das Leben eine beständige Schöpfung ist, und dass jeden Moment alles neu und einmalig erschaffen wird. Ich spüre, wie auch mein eigenes schöpferisches Tun Teil dieser Bewegung ist. &#8211; Alles ist friedvoll und harmonisch und von einer unbegreiflichen Schönheit. Es ergreift mich und lässt mich staunen und demütig werden. Ein unendlicher Raum der Zeitlosigkeit scheint durch alles Erschaffene in seiner Vergänglichkeit hindurch, und erinnert mich an die Quelle, aus der wir wohl alle entspringen.<br />               Die Rückkehr in den Alltag fällt dann oft nicht leicht und ist fast immer erstaunlich. Vieles hat sich verändert; Werte und Prioritäten haben sich wahrscheinlich verschoben. Die Angehörigen, die Kollegen und die Umwelt werden ein wenig anders wahrgenommen. Oft ist mehr Empfindsamkeit, Verständnis und Mitgefühl zu spüren, aber auch mehr Betroffenheit. &#8211; Doch nach und nach fangen uns der Alltag und das Gewohnte wieder ein, und nur noch selten spüren wir, was uns in der Schweigeerfahrung so kostbar war. Aber ganz geht es nicht mehr verloren, und besonders in schwierigen Lebensphasen ruft es uns. Ein inneres Wissen bleibt bei uns, das Wissen um das Andere, das uns alle verbindet und erhält, das Wissen um die lebendigste Wirklichkeit, das immer neue, fliessende Wunder des Seins.</p>
<p>Dieter Mittelsten Scheid ist seit 25 Jahren Leiter von Schweige- und Bewusstseinsretreats gemeinsam mit seiner Frau Batya Schwartz im eigenen Zentrum in der Toskana. Autor von “Stille in einer lauten Welt, im Schweigen sich selbst erfahren” Kösel 2007 und gemeinsam mit Herta Richter “Vom Wesen des Atems” Reichert 2006.</p>
<p><font color="#993300">Schweigen in Poci 2009: 19.-28.Juni 09; 18.07.-02.08.09; 14.-25. Aug.09; 03.-13. Sept. 09</font></p>
<p>Veröffentlicht in Publik – Forum EXTRA, Magazin für Spiritualität und Lebenskunst, Heft 6 / 08</p>
<p>&nbsp;</p>
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