Archiv für die Kategorie: ‘Fundus’

“noch eine Runde auf dem Karussell”

Di, 1. Juni 2010

von Tiziano Terzani

Es gibt verschiedene Arten der Stille, und jede hatte ihre Besonderheiten. Tagsüber bestand die Stille aus dem Gezwitscher der Vögel, Tierrufen und dem Rauschen des Windes, und nie mischten sich die Geräusche darein, die nicht aus der Natur gekommen wären – weder von Motoren noch von Menschen. Nachts hingegen war die Stille ein gleichförmiges, tiefes Dröhnen, das aus den Tiefen der Erde aufstieg, die Mauern durchdrang und alles ausfüllte. Hier oben war die Stille ein Klang. Ein Symbol für die Harmonie der Gegensätze, die ich anstrebte? Meine Ohren hörten absolut nichts, doch dieses Dröhnen war in und um meinen Kopf. Die Stimme Gottes? Sphärenmusik? Während ich lauschte, versuchte ich sie einzuordnen – und konnte mir nur einen riesengroßen Fisch vorstellen, der auf dem Meeresgrund sang. Wundervoll, diese Stille! Und doch versuchen wir modernen Menschen

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Die Übung der Achtsamkeit

Do, 1. Oktober 2009

Von Evamaria v. Schneidemesser
Nach einem Vortrag gehalten auf dem Yogakongress in Willingen im Mai 1972

Die meisten Menschen sind sich heute mehr oder weniger dessen bewusst, dass wir in einer chaotischen Zeit des Umbruchs leben, in der die alten Wertvorstellungen nicht mehr existieren, neue Ordnungen sich aber noch nicht gefunden haben.
Wir ahnen es, dass ein neuer Mensch geboren werden sollte, ein Mensch mit einem erweiterten Bewusstsein, und wir suchen nach Möglichkeiten, zu dieser Bewusstseinserweiterung zu gelangen. Wir greifen zu Drogen, üben Yoga und Zen, meditieren, befassen uns mit Psychoanalyse, erforschen die außersinnlichen Kräfte usw.

In all dieser unruhigen Suche nach Wegen, auf denen wir zu uns selbst finden können, wodurch dann auch eine neue Ordnung des Zusammenlebens entstehen könnte, ist es gut zu wissen, dass es einen uralten Weg gibt, der zu der so ersehnten und notwendigen größeren Bewusstheit führt.

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Schweigen

Do, 1. Januar 2009

von Dieter Mittelsten Scheid, Dr.med., Psychotherapeut, Atemtherapeut
http://www.locpoci.com

Es ist still. Die Gegenwart ist da. Sie nimmt mich wahr; ich nehme sie wahr. Sie und ich verschmelzen miteinander. Es ist, was ist. Sein, Tun und Wahrnehmen werden eins. Die Natürlichkeit des Lebens spielt sich selbst. Das Licht mit seinen Reflektionen und Schatten, die tanzenden Bewegungen der Blätter und das Schwingen des hohen Halms im hörbaren Wind. Die von Wasserläufern erzeugten Wellenkreise breiten sich aus, und ihre Schatten laufen über den Grund.
Nicht zu reden bewirkt eine grundlegende Verwandlung, eine qualitative Veränderung im Gewahrsein und in der Achtsamkeit. Der Fokus verschiebt sich vom Verbalen zum Unmitttelbaren. Zu schweigen ist eine Einladung, alles in sich einzulassen, was nicht aus Worten besteht. Ein unbekanntes Land tut sich auf. Eine Wirklichkeit , die aus sich selbst wirklich ist, ohne eine definierbare Bedeutung zu haben.
Ankommen ist alles,

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