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	<title>Atmen &#187; Atemfundus</title>
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	<description>mit Helga Segatz</description>
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		<title>Friedrich Weinreb</title>
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		<pubDate>Thu, 01 Dec 2011 09:56:47 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Helga Segatz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Atemfundus]]></category>

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		<description><![CDATA[ 
&#8220;Frei und ohne Zwang soll
 dein Atem sein,
 ohne Technik,
 sonst gerätst du in Widerspruch
 zu deiner ursprünglichen Freiheit,
 die dir  im Odem Gottes
 geschenkt wurde.&#8221;
Friedrich Weinreb
aus: &#8220;geistige Erfahrung und Lebenspraxis&#8221;

Foto: Mica Claus, München 

]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p align="left"><img style="margin: 5px 5px 0px;" title="" src="/wordpress/wp-content/uploads/Engel%20Mica_mittel.jpg" alt="" width="300" height="203" align="left" /></p>
<div align="center"><span style="font-size: small;"> </span></div>
<div align="center"><span style="font-size: small;">&#8220;Frei und ohne Zwang soll</span><br />
<span style="font-size: small;"> dein Atem sein</span>,<br />
<span style="font-size: small;"> ohne Technik</span>,<br />
<span style="font-size: small;"> sonst gerätst du in Widerspruch</span><br />
<span style="font-size: small;"> zu deiner ursprünglichen Freiheit</span>,<br />
<span style="font-size: small;"> die dir  im Odem Gottes</span><br />
<span style="font-size: small;"> geschenkt wurde.&#8221;</span></div>
<p align="center"><span style="font-size: x-small;">Friedrich Weinreb</span><span style="font-size: x-small;"><br />
aus: &#8220;geistige Erfahrung und Lebenspraxis&#8221;</span></p>
<p align="left"><span style="font-size: small;"><span style="font-size: xx-small;"><br />
Foto: Mica Claus, München </span></span></p>
<p align="center">
]]></content:encoded>
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		<title>Tipp: Die Kunst des Atmens</title>
		<link>http://www.atemmassage.de/2010/10/tipp-die-kunst-des-atmens/</link>
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		<pubDate>Sun, 24 Oct 2010 13:15:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Helga Segatz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Atemfundus]]></category>

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		<description><![CDATA[von Bettina Rackow-Freitag
Ein Artikel, erschienen in Zeitschrift &#34;Weight Watchers&#34; im November 2011, Heft 06     Als pdf Datei können Sie ihn unter der Rubrik Presse einsehen &#8230; oder Sie klicken hier:&#160;  
&#160;
]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>von Bettina Rackow-Freitag</p>
<p>Ein Artikel, erschienen in Zeitschrift &quot;Weight Watchers&quot; im November 2011, Heft 06 <br />    Als pdf Datei können Sie ihn unter der Rubrik Presse einsehen &#8230; <a target="_self" href="/wordpress/wp-content/uploads/uploads/Weigt%20Watchers%20November%202010.pdf" title="">oder Sie klicken hier:&nbsp; </a> </p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Kräftigungsübungen für die Augenmuskulatur</title>
		<link>http://www.atemmassage.de/2010/09/kraftigungsubungen-fur-die-augenmuskulatur/</link>
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		<pubDate>Wed, 01 Sep 2010 07:00:52 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Helga Segatz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Atemfundus]]></category>
		<category><![CDATA[Augenmuskulatur]]></category>

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		<description><![CDATA[von Helga Segatz
Der Augenmuskulatur ergeht es wie jeder anderen Muskulatur des Bewegungsapparates: Wenn sie nicht ausreichend genutzt wird, verkümmert und degeneriert sie. Deshalb sollte man sich möglichst schon bevor die Funktionstüchtigkeit nachlässt die eine oder andere Übung angewöhnen, die leicht an jedem Platz zu jeder Zeit durchgeführt werden kann und die der Kräftigung der Augenmuskulatur [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>von Helga Segatz</p>
<p>Der Augenmuskulatur ergeht es wie jeder anderen Muskulatur des Bewegungsapparates: Wenn sie nicht ausreichend genutzt wird, verkümmert und degeneriert sie. Deshalb sollte man sich möglichst schon bevor die Funktionstüchtigkeit nachlässt die eine oder andere Übung angewöhnen, die leicht an jedem Platz zu jeder Zeit durchgeführt werden kann und die der Kräftigung der Augenmuskulatur dient. &nbsp;</p>
</p>
<p> <span id="more-1313"></span>
<p>Setzen Sie sich dazu bequem auf das vordere Drittel eines Stuhls, ohne sich anzulehnen oder setzen Sie sich am Boden auf eine Decke im&nbsp; Schneidersitz. Achten Sie auf eine aufgerichtete Wirbelsäule. Falls nötig, legen Sie Brille oder Kontaktlinsen während des Übens zur Seite.<br />  Bevor Sie mit dem Üben beginnen beobachten Sie mit geschlossenen Augen ihren Atem. Den Einatem … den Ausatem … die Atempause, sofern sich letztere zeigen mag, bevor ein neuer Einatem ganz von selbst kommt.</p>
<p>Lassen Sie sich dafür 2 – 3 Minuten Zeit, die Ihrer inneren Sammlung dienen.</p>
<p>1. Schulterkreisen<br />  Eine Schulter beginnt eine großen Kreis von vorne nach hinten zu beschreiben, der mit der Zeit immer kleiner wird. Der Hals darf sich dazu leicht mitbewegen. Spüren Sie die Wirkung, die dieses Kreisen auf Ihren Hals und auf die Augen hat? Spüren Sie, wie sich Ihr Atem ganz von selbst auf dieses Kreisen einstellt? Nach einer Weile kreisen Sie mit der anderen Schulter.</p>
<p>2. Oben und unten<br />  Schauen Sie nun geradeaus und schließen Sie die Augen. Unter den geschlossenen Lidern schauen Sie nun so weit es geht nach oben und dann nach unten. Nehmen Sie Ihren Ein-, und Ausatem mit dazu. Der Kopf bewegt sich dabei nicht!<br />  10 mal in jede Richtung. An den Wendepunkten, oben und unten, hält man jeweils einen Moment in der höchsten Spannung an, bevor man die Richtung ändert. Am Schluss ruhen Sie sich einige Sekunden aus.</p>
<p>3. Rechts und Links<br />  Danach wird dasselbe Üben in der Waagerechten vorgenommen. Anfangs blickt man man wiederum geradeaus. Dann bewegen sich die Augen so weit wie möglich zum rechten Augenwinkel, dann zum linken und so ebenfalls 10 mal hin und her.<br />  Die Pausen werden in der Höchstspannung eingehalten wie oben und der Kopf bewegt sich nicht mit.</p>
<p>4. Die Diagonale<br />  von oben rechts nach unten links, auch 10 mal. Und dann von oben links nach unten rechts. Achten Sie auf die Ruhepausen zwischen den einzelnen Phasen. Nehmen Sie Ihren Ein-, und Ausatem mit dazu. Der Kopf bewegt sich dabei nicht.</p>
<p>5. Kreisen<br />  Als letztes werden die verschiedenen Richtungen durch Kreisen der Augen miteinander verbunden: 5 oder&nbsp; 6 mal rechtsherum und&nbsp; 5 oder 6 mal linksherum. Und zwar gemächlich, ohne sich zu eilen. Achten Sie darauf, wie sich Ihr Atem dazu einstellt; der Kopf bewegt sich nicht … nur die Augen kreisen.</p>
<p>Schauen Sie nach dem Üben aus dem Fenster in die Weite …. <br />  Oder …&nbsp; legen Sie sich mit geschlossenen Augen eine Weile entspannt flach auf den Boden um die Übungen nachwirken zu lassen …</p>
<p>Lassen Sie sich von der Wirkung überraschen, die diese Übungen nicht nur auf Ihre Augen haben werden.</p>
</p>
<p>&nbsp;</p>
<p> Die Ursache für axiale Brechungsfehler (Myopie, Hyperopie) ist in den meisten Fällen ein Missverhältnis zwischen der Brechkraft der optischen Medien (Hornhaut, Linse) und der Baulänge des Augapfels, jedoch keine Störung der Augenmuskeln. Darum wird das angestrebte Ergebnis des Augentrainings, Fehlsichtigkeiten durch Entspannung der Augenmuskeln reduzieren oder gar beseitigen zu können, von der Wissenschaft als nicht erreichbar angesehen. Da ein anerkannter Nachweis einer therapeutischen Wirksamkeit des Augentrainings auf Fehlsichtigkeiten darüber hinaus bis heute nicht erbracht wurde, wird das Verfahren von der evidenzbasierten Medizin abgelehnt. </p>
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		<title>&#8230; das Ein und das Aus</title>
		<link>http://www.atemmassage.de/2010/07/das-ein-und-das-aus/</link>
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		<pubDate>Thu, 15 Jul 2010 07:00:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Helga Segatz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Atemfundus]]></category>

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		<description><![CDATA[Einatmen     kommen was ist     was kommt
Ausatmen     loslassen was ist     was war

 

 in der winzigkleinen Pause     zwischen dem Ein und Aus     in diesem Augenblick     fast unmerklich  [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p align="center">
<p align="center">Einatmen<br />     kommen was ist<br />     was kommt</p>
<p align="center">Ausatmen<br />     loslassen was ist<br />     was war</p>
</p>
<p> <span id="more-1252"></span>
<p align="center"></p>
<p align="center"> in der winzigkleinen Pause<br />     zwischen dem Ein und Aus<br />     in diesem Augenblick<br />     fast unmerklich<br />     da-sein<br />     ohne wollen, wünschen, müssen<br />     einfach nur sein<br />     und ahnen<br />     das Seiende<br />     der/die Ich-bin-da<br />     umfängt alles<br />     das Ein und das Aus<br />     ist<br />     jetzt<br />     und in Ewigkeit</p>
<p align="center"><font size="1">von Angelika Sterr</font></p>
<p align="center">&nbsp;</p>
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		<title>Atmend den Bogen spannen</title>
		<link>http://www.atemmassage.de/2010/07/atmend-den-bogen-spannen/</link>
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		<pubDate>Thu, 01 Jul 2010 07:00:10 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Helga Segatz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Atemfundus]]></category>
		<category><![CDATA[Atmen]]></category>
		<category><![CDATA[Bogenschießen]]></category>
		<category><![CDATA[Herrigel]]></category>
		<category><![CDATA[Zen]]></category>

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		<description><![CDATA[Von Matthias J. Ulrich
Seit dem Erscheinen von Eugen Herrigels Buch ‚ Zen in der Kunst des Bogenschießens‘ im Jahr 1948, assoziieren im Westen viele mit dem Bogenschießen nicht mehr eine alte Kriegskunst sondern eine meditative Übung. Das Spannen des Bogens reizt uns, etwas von dieser Transformation zu erfahren. 
Herrigel übte fünf Jahre in Japan bei [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Von Matthias J. Ulrich</p>
<p>Seit dem Erscheinen von Eugen Herrigels Buch ‚ Zen in der Kunst des Bogenschießens‘ im Jahr 1948, assoziieren im Westen viele mit dem Bogenschießen nicht mehr eine alte Kriegskunst sondern eine meditative Übung. Das Spannen des Bogens reizt uns, etwas von dieser Transformation zu erfahren. </p>
<p><img style="margin: 5px" title="" alt="" src="/wordpress/wp-content/uploads/Bogen_klein_Matthias%20J%20Ulrich.jpg" align="left" border="null" height="201" width="300" />Herrigel übte fünf Jahre in Japan bei Meister Awa Kenzo, bevor dieser ihm sagte, nun schieße nicht ‚er‘ sondern ‚es‘.&nbsp; <br />     Am Anfang des Übens stand der Atem.<br />     Die ersten Versuche Herrigels den Bogen zu spannen kommentierte der Meister: „Sie können es nicht, weil Sie nicht richtig atmen“ und&nbsp;&nbsp;<br />     &nbsp;„mit der richtigen Atmung entdecken Sie den Ursprung geistiger Kraft. Je lockerer Sie sind, desto leichter fließt die Kraft.“ Er fing also an, sich unter Anleitung seines Meisters erst einmal im Atmen zu üben, mit leichtem Summen um die Atmung zu kontrollieren. Er bemühte sich gewissenhaft, den lockeren Atem auf das Bogenschießen zu übertragen. Es wollte nicht gelingen. Der Meister, der das bemerkte, sagte: „Das ist gerade der Fehler, dass Sie sich darum bemühen. Atmen Sie so, als hätten Sie nichts anderes zu tun.“<br />     Nach langem Üben gelang es Herrigel dann tatsächlich einmal, sich unbekümmert in die Atmung fallen zu lassen. Er atmete nicht mehr, er wurde geatmet. Im Lauf der Zeit gelang es ihm immer öfter, bei völliger Lockerung den Bogen zu spannen und die Spannung zu halten. So verging das erste Übungsjahr (1)<br />     Wer von uns zum ersten Mal einen Bogen in die Hand nimmt ist weder in einem Zen-Kloster in Japan noch</p>
</p>
<p> <span id="more-1010"></span>
<p><img style="margin: 5px" title="" alt="" src="/wordpress/wp-content/uploads/bogenschiessen-klein.jpg" align="left" border="null" height="225" width="300" />&nbsp;bei Meister Awa. Bestenfalls wollen wir im Urlaub eine Gelegenheit wahrnehmen unsere Neugier zu befriedigen, wie es sich anfühlt einen Pfeil abzuschießen. Eben sind wir noch im Meer geschwommen und haben mit jedem Zug der Arme tief Luft geholt und (vielleicht sogar unter Wasser) wieder ausgestoßen. Ohne darüber nachzudenken atmen wir tief und regelmäßig. Kurze Zeit später mit dem Bogen in der Hand stockt uns schon der Atem beim Spannen der Sehne. Die Hand, die den Bogen auf Abstand hält, verkrampft sich ebenso wie die Finger, die die Sehne halten. Arme und Beine stehen unter Spannung. Selbst der Kopf ist fest zwischen den Schultern eingeschraubt. Der Ausruf: „Ich kann die Sehne nicht ziehen, der Bogen ist zu schwer für mich!“ hilft nicht. Jetzt hilft nur Atmen! Den Bogen ablegen, alle Glieder ausschütteln und atmen. Atmend nehmen wir den Bogen wieder in die Hand. Wir werden es nicht gleich schaffen, uns ‚unbekümmert in die Atmung fallen zu lassen‘. Wer Atemerfahrung hat, dem wird es leichter fallen, nun absichtslos atmend selektiv nur die Muskeln im Rücken zu spannen,&nbsp; die wir brauchen um die Hand, die die Sehne hält, nach hinten zu ziehen. Alle anderen Muskeln bleiben locker. Und nur mit gleichmäßiger Atmung können wir verhindern, dass die Hand, die den Bogen hält, anfängt zu zittern. Nach einigen Versuchen stellen wir fest, mit lockerer Atmung und lockeren Muskeln ist es gar nicht so schwer,&nbsp; den Bogen zu spannen. <br />     Und nun wird das Lösen der Spannung im Schuss aus konzentrierter Ruhe und Gelassenheit zu einer lustvollen Herausforderung. Das Öffnen der gekrümmten Finger, die die Sehne halten, geschieht so, wie sich eine Blüte öffnet. Es geschieht einfach. Ohne willentliche Anstrengung. Es ist eine erstaunliche Erfahrung, den Moment, in dem wir die Sehne aus der Spannung entlassen,&nbsp; den richtigen Moment – griechisch kairos &#8211; , in dem der Pfeil sein Ziel erreicht, mit zunehmender Übung mit unserem Unterbewussten zu erspüren. Atmend im Spannen des Bogens können wir uns selbst vergessen.<br />     Im Rahmen der Sommerakademie kretakreativ an der Südküste Kretas besteht die Möglichkeit,&nbsp; unter der Anleitung von Helga <img style="margin: 5px" title="" alt="" src="/wordpress/wp-content/uploads/Bogen_klein_Meerstimmung.jpg" align="left" border="null" height="201" width="300" />Segatz im sonnendurchfluteten Licht, klarem Wasser und südlichen Düften direkt am Meer den eigenen Atem zu erfahren,&nbsp; Aufatmen, Durchatmen&nbsp; und Entspannen neu zu erleben.&nbsp;&nbsp; An zwei Vormittagen des Kurses können die Teilnehmer mit Matthias J. Ulrich, dem Autor des Textes „Atmend den Bogen spannen“,&nbsp;&nbsp; eigene Erfahrungen sammeln. </p>
<p>(1) zitiert nach Ramakrishna: Bogenschießen als geistige Übung</p>
<p><a title="" target="_blank" href="/kurse-in-atemerfahrung/atmen-auf-kreta/">Atmen und Meer</a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; <br />     Intensivkurs mit Helga Segatz vom 28.08. bis 03.09.2010</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Wer beim Bogenschießen süchtig wurde, kann sich eine Woche lang täglich üben bei Bogenschießen in Kreta</p>
<p>Intensivkurs mit Matthias J. Ulrich vom 15.05 bis 22.05.2010 und 04.09. bis 11.09.2009</p>
<p>Weitere Infos unter <a title="null" target="_blank" href="http://www.kretakreativ-vision.de">www.kretakreativ-vision.de</a>&nbsp; &nbsp;</p>
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		<title>Guten Abend, gute Nacht</title>
		<link>http://www.atemmassage.de/2010/04/guten-abend-gute-nacht/</link>
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		<pubDate>Thu, 01 Apr 2010 07:00:13 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Helga Segatz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Atemfundus]]></category>
		<category><![CDATA[Schlafstörungen]]></category>

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		<description><![CDATA[von Dr. K.O. Kuppe 
Manch einer wird sich noch aus seiner Kindheit eine Erinnerung bewahrt haben an die Melodie eines Wiegenliedes, das ihm seine Mutter zum Einschlafen vorgesungen hat. Viele werden allerdings Wiegenlieder nur noch im Musikunterricht der Schule kennen gelernt haben und diese vielleicht unter innerem Protest des jugendlichen Gemütes als veraltet und längst [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>von Dr. K.O. Kuppe </p>
<p>Manch einer wird sich noch aus seiner Kindheit eine Erinnerung bewahrt haben an die Melodie eines Wiegenliedes, das ihm seine Mutter zum Einschlafen vorgesungen hat. Viele werden allerdings Wiegenlieder nur noch im Musikunterricht der Schule kennen gelernt haben und diese vielleicht unter innerem Protest des jugendlichen Gemütes als veraltet und längst überholt mitgesungen haben.<br />    Als Kinder und junge Menschen haben wir meist alle gut und fest geschlafen. Erst in späteren Lebensjahren spürt man, was Schlaflosigkeit bedeuten kann. Für den ganzen Tag ist es bedeutungsvoll, ob wir mit dem „richtigen Bein“ aufgestanden sind oder ob wir unausgeschlafen an unser Tagwerk gehen.</p>
</p>
<p> <span id="more-1176"></span>
<p>  Eine bekannte pharmazeutische Firma hat vor einiger Zeit eine sehr hübsche Reklamesendung an Ärzte verteilt. Es handelt sich dabei um eine Sammlung von Wiegenliedern europäischer und asiatischer Völker. Die Musik dieser Schlaf-, und Wiegenlieder, so extrem und fremd sie uns auch manchmal anmuten mag, hat ein Gemeinsames, von Brasilien bis China und von Russland bis Skandinavien: einen wiegenden, einschmeichelnden Rhythmus, etwas Sanftes, Umhüllendes. Kinder, die in der Wiege liegen, kennen wir heute leider nur noch aus alten Erzählungen; und die Wiegenlieder sind bei uns zivilisierten Völkern – genauso wie die Wiege selbst – im Begriff, Museumsgut zu werden.<br />    Wir leben in einem Zeitalter der Aufklärung und der Hygiene, alles ist praktisch, sauber, real, nützlich. Wer hätte denn auch noch die Zeit, Kinder zu wiegen oder Schlaflieder zu summen. Wir leben in einer Zeit der Hast und des Tempos, wo jede Minute kostbar erscheint. Unsere Jugend liebt heiße Rhythmen, Radio und Fernsehen schaffen eine Geräuschkulisse, die den so genannten Feierabend ausfüllt. <br />    Es gibt alte Bilder berühmter Meister, da sitzen Menschen abends im Lehnstuhl und haben die Hände in den Schoß gelegt. Sie ruhen aus von des Tages Arbeit und ihre Gesichter sind friedlich und gelöst. Auch unsere Großeltern ruhten sich noch auf diese Weise aus. Sie lebten im Rhythmus des Tages und der Nacht. Wachskerze, Petroleumlampe und Gasbeleuchtung reichten noch nicht aus, um die Nacht zum Tag zu machen. Unsere Vorfahren wussten wahrscheinlich noch nicht, dass es Früh- und Spätschlaftypen gibt. Einschlafstörungen, Durchschlafstörungen, Tiefschlafstörungen, sie kannten kaum Schlafmittel, denn sie schliefen in der Regel gut – es sei denn, eine schwere Krankheit oder Schmerzen hinderten sie daran. <br />    Heute ist die Schlaflosigkeit zum Zeitproblem geworden. Nicht nur Erwachsene und Greise, sondern auch Jugendliche und Kinder schlafen nicht mehr. Es gibt Hunderte von Schlaf-, und Beruhigungsmitteln und in Europa und Amerika wohl Millionen von Schlaflosen.<br />    Die Wissenschaft hat längst eingesehen, dass dieses Problem nicht mehr mit Medikamenten zu lösen ist, da es sich hierbei um eine Lebensfrage des modernen Menschen handelt. Der Verlust des Rhythmus ist das Danaer-Geschenk der Maschine, die es uns möglich macht, durch einen Schalterdruck die Nacht zum Tage zu erhellen. Durch die Technik ist der Mensch frei geworden, seinen Lebensrhythmus selbst zu gestalten, er ist aber auch in Gefahr, diesen zu verlieren. Unsere Jugend steht bereits in derselben Gefährdung. Schlaf ist ein Geschenk der Natur, aber man kann auch Geschenke vergessen. <br />    Schlaf ist wohl das älteste Heilmittel, und der Tempelschlaf der alten Kulturvölker setzt sich durch alle Zeiten hindurch fort bis zur Heilschlafbehandlung, der modernen Medizin. Wer von uns hätte sich nach einer schweren Krankheit nicht schon mal gesund geschlafen? <br />    Der Dichter Friedrich Schiller schreibt in seinen prosaischen Schriften: „Unter dem Schlaf ordnen sich die Lebensgeister wiederum in jenes heilsame Gleichgewicht, das die Fortdauer unseres Daseins so sehr verlangt; alle jene krampfigen Ideen und Empfindungen, alle jene überspannten Tätigkeiten, die uns den Tag durch gepeinigt haben, werden jetzt in der allgemeinen Erschlaffung des Sensoriums aufgelöst, die Harmonie der Seelenwirkungen wird wiederum hergestellt, und ruhiger grüßt der neuerwachte Mensch den kommenden Morgen. Der Schlaf versiegelt gleichsam das Auge des Kummers, nimmt dem Fürsten und Staatsmann die schwere Bürde der Regierung ab, gießt Lebenskraft in die Adern des Kranken und Ruhe in sein zerrissene Seele.“<br />    Heute wird uns ein gesunder Schlaf nicht mehr ohne weiteres geschenkt, wir müssen ihn uns verdienen, wir müssen ihm etwas opfern, es sei denn, wir gingen den bequemen Weg, regelmäßig Schlaftabletten zu nehmen – ein Verfahren, das uns in seelische Abhängigkeit und zu gesundheitlichen Schädigungen führt.<br />    Es soll hier nur stichwortweise auf die vielen naturgemäßen Möglichkeiten , den Schlaf zu fördern, hingewiesen werden. Es gibt viele Hilfsmittel einfacher Art, auf die schon Pfarrer Kneipp hingewiesen hat: Das Wassertreten, das Luftbad mit Trockenbürsten der Haut, das ansteigende Fußbad, kühle Waschungen des Unterleibs, den Wadenwickel und vieles andere mehr. Aber in diesem Beitrag sollen vor allem Hinweise gegeben werden, die in der allgemeinen Gesundheitsliteratur weniger berücksichtigt sind.<br />    Wer gut und friedlich schlafen will, der sollte, so merkwürdig es klingen mag, bereits am Tage mit der Vorbereitung beginnen; er muss lernen, kleine schöpferische Pausen einzulegen. Er muss sich bemühen, einmal für Augenblicke, und seien es eine oder zwei Minuten, die Unrast abzulegen und sich von allem zu lösen, was ihn treibt und bewegt. Wer abgehetzt, strapaziert vom Programm des Fernsehens oder angeregt durch die Berichte der letzten Illustrierten sich ins Bett begibt, der sollte sich nicht wundern, wenn ihm vor Müdigkeit die Augen nicht zufallen&nbsp; und er am nächsten Morgen unausgeschlafen erwacht. Es lohnt sich bestimmt, vor dem Zubettgehen für einige Minuten einen wirklichen Feierabend zu begehen, etwas Besinnliches zu lesen, gute Musik zu hören oder noch besser, selbst Musik zu spielen – und sei es ein Wiegenlied. Man könnte auch mit dem Ablegen der Kleider die Vorstellung pflegen, als lege man gleichzeitig damit die Sorgen und Probleme des Tages ab, Teil um Teil. Im Bett sollte man sich erst einmal richtig dehnen und rekeln, so wie es die Katzen tun, und versuchen, seine Glieder zu lösen und „abzulegen“, bis man sie schwer und warm empfindet. Auch ein Rückblick auf den vergangenen Tag, den man Bild für Bild noch einmal abrollen lässt, oder die Beschäftigung mit einem Märchen vermag eine Stimmung hervorzurufen, die dem Schlaf entgegenkommt. Wahrscheinlich müssen wir erst lernen, uns dieser Stimmung hinzugeben, wie sie Christian Morgenstern in den Versen so schön charkakterisiert:</p>
<p>„Auf braunen Sammetschuhen geht<br />    der Abend durch das milde Land, <br />    sein weiter Mantel wallt und weht<br />    und Schlummer fällt von seiner Hand“</p>
<p>Es würde kaum einem von uns einfallen, in Straßenkleidern zu einer Abendgesellschaft zu gehen, aber fast alle von uns versuchen, beladen mit den Alltagssorgen, mit der Hast und Unruhe des Tages, in das Reich des Schlafes einzutreten und wundern sich dann, wenn ihnen der Eintritt verwehrt wird. Um schlafen zu können, müssen wir versuchen, unser Empfinden möglichst bildhaft zur Ruhe kommen zu erziehen und auch bei Kindern kann man damit beginnen.<br />    Ein amerikanischer Psychologe hat einmal geäußert: „Das sicherste Mittel um schlafen zu können ist der fest Vorsatz, um keinen Preis einschlafen zu wollen.“ Damit ist etwas sehr Weises angesprochen, nämlich, dass jede Form von Erwartung unseren Organismus in Spannung versetzt und damit der Ruhe entgegen arbeitet. Versuchen Sie es doch einmal anders. Stellen Sie sich vor den Spiegel, lächeln sich selbst einmal an und achten darauf, dass Sorgenfalten und verspannte Kinnpartie sich lösen. Dann versuchen Sie herzhaft zu gähnen. Gähnen ist ein Tiefatemreflex bei Mensch und Tier, der nicht nur erhöhtes Sauerstoffbedürfnis sättigt, sonder gleichzeitig auch Spannungen und Verkrampfungen im Raum des Kehlkopfes in der Zwerchfellregion und im Sonnengeflecht löst. Dann könnten Sie sich im Bett zurechtrekeln nach dem Motto: Wie man sich bettet, so liegt man. Ein oft erprobtes Mittel das den Schlaf fördert ist das Nachspielen einer Schlafatmung. Der Rhythmus des gesunden Schläfers ist gekennzeichnet durch ein gleichmäßiges ein – aus – Pause, wobei der Schwerpunkt in der Ausatmung und in dem Verweilen der Pause liegt. Diese Art zu atmen ist fast ein melodisches, ein rhythmisches Problem und man kann vollziehen nach dem Grundsatz: Es ist unmöglich, aufgeregt oder hellwach zu sein, wenn es mir gelingt, einen Atemrhythmus festzuhalten, der völlig anders geartet ist. Wer hineinfällt in eine völlig spannungslose Phase mit einer längeren Atempause. Wichtig ist nur, dass diese Form des Atmens wirklich gespielt wird, dass man sich dabei nicht anstrengt, etwas erreichen möchte, sondern sich in dieser Atempause hineinfallen lässt. Das Loslassen, das sich Abgeben können, das sich Fallenlassen, das ist ja etwas, was die zivilisierte Menschheit durch den Stress des Tages immer mehr verlernt hat. So wurde eine Atemform zu einem Spiel mit einem Rhythmus der Ruhe und des Lassen könenn.<br />    Guten Abend, gute Nacht</p>
<p>Aus Atem und Mensch 3/1975</p>
<p>Buchtipp bei Schlafstörungen: <a href="/wordpress/buchtipp-susanne-duden/" title="" target="_blank">bitte hier klicken </a></p>
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		<title>Vegetative Fehlfunktion und Atmung</title>
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		<pubDate>Mon, 01 Feb 2010 07:00:22 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Helga Segatz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Atemfundus]]></category>
		<category><![CDATA[Vegetative Dysfunktion]]></category>
		<category><![CDATA[Vegetative Fehlfunktion]]></category>

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		<description><![CDATA[von Dr. med. Fritz Bretschneider

Unter vegetative Funktionen verstehen wir alle die Tätigkeiten menschlicher Organe, welche weitgehend unabhängig von Bewusstsein, Gefühl und Willen des einzelnen, also autonom, ohne jedwede äußere Einflussnahme, ablaufen können. Meist entgehen sie völlig unserer Aufmerksamkeit und werden erst dann sinnlich wahrgenommen,&#160; wenn Störungseinflüsse den regelrechten Ablauf der spezifischen Tätigkeiten beeinträchtigen. Beispielhaft seien [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>von Dr. med. Fritz Bretschneider</p>
<p>
<p>Unter vegetative Funktionen verstehen wir alle die Tätigkeiten menschlicher Organe, welche weitgehend unabhängig von Bewusstsein, Gefühl und Willen des einzelnen, also autonom, ohne jedwede äußere Einflussnahme, ablaufen können. Meist entgehen sie völlig unserer Aufmerksamkeit und werden erst dann sinnlich wahrgenommen,&nbsp; wenn Störungseinflüsse den regelrechten Ablauf der spezifischen Tätigkeiten beeinträchtigen. Beispielhaft seien genannt: Atmungsabläufe, Herzaktionen und die Magen-Darm-Tätigkeit.<br />  Als Vermittler der entsprechenden Impulse gilt das vegetative Nervensystem. Es ist allgemein bekannt, </p>
<p> <span id="more-1113"></span>
<p>dass wir hinsichtlich der nervösen Versorgung in der Physiologie menschlicher Organsysteme unterscheiden zwischen animalischen oder somatischen Nervensystem und vegetativem oder visceralem System. <br />  Zum animalischen (somatischen) System rechnen wir motorische und sensible Nerven im Bereich der Sinnesorgane einschließlich ihrer zentralen Anteile, der Haut, der Muskulatur, der Knochen und Gelenke. Dieses Nervensystem vermittelt Funktionsabläufe, die unserem Bewusstsein, Gefühl und Willen unterliegen, von dort aus kontrolliert und in Gang gesetzt werden. Sowohl normale wie auch krankhaft veränderte Verhaltensweisen sind dementsprechend unmittelbar zu erkennen.</p>
</p>
<p><img style="margin: 5px" alt="" title="" src="/wordpress/wp-content/uploads/IMG_Drahtzaunbild%20klein.jpg" align="left" height="200" width="300" /></p>
<p>Dem vegetativen (visceralen) Nervensystem gehören Nervenbahnen, Ganglien und Zentren an, welche die glatte Muskulatur der inneren Organe (Viscera) des Herzens und der Drüsen nervös versorgen. Ihre Tätigkeit entzieht sich gewöhnlich sowohl unserem Bewusstsein wie unserem Willen. Sie läuft unbewusst, unwillkürlich oder autonom ab. Wir sprechen deshalb in dieser Hinsicht auch vom autonomen Nervensystem. Infolge dieser Gegebenheiten ist es offenbar recht schwer, hier gesunde sowie krankhafte Funktionsabläufe frühzeitig einwandfrei zu erfassen. Im Gegensatz zu somatischen Nerven besitzen die Bahnen des autonomen Systems außerhalb des zentralen Nervensystems zwischengeschaltete Ganglienknoten. Durch solche Synapsen werden präganglionäre Fasern mit postganglionären verbunden. Der Anteil Nervenfaser, der die Impulse vom Zentralnervensystem zu peripheren Ganglien leitet, wird präganglionäres Neuron genannt. Das postganglionäre Neuron sorgt dann für die Weiterleitung der Nervenerregung vom Ganglion zum endgültigen Erfolgsorgan. Präganglionäre Fasern können durch mehrere Ganglionknoten ziehen, bilden jedoch nur einmal eine regelrechte synaptische Verbindung. <br />  Wir wissen, dass der Aufbau des vegetativen Nervensystems durch zwei gegensätzlich funktionierende Anteile charakterisiert ist, die sich vor allem in Förderung bzw. Hemmung einzelner Organfunktionen bemerkbar machen und uns unter den Bezeichnungen Sympathikus und Parasympathikus bekannt sind. Wenn es auch nicht immer möglich ist, einen deutlichen funktionellen Gegensatz herauszustellen, so erscheint die Zweiteilung doch zweckmäßig im Hinblick auf die Erfassung differenter Reizeinflüsse. Die sympathischen Ganglienzellen liegen gewöhnlich im Grenzstrang der Wirbelsäule an und besitzen dadurch kurze präganglionäre und langen postganglionäre Nervenfasern, die parasympathischen Ganglien verhalten sich umgekehrt. Sie imponieren durch längere präganglionäre Zuleitungen und sitzen mithin nahe bei ihren zugehörigen Erfolgsorganen. Die Abzweigstellen des Sympathikus liegen teilweise im Hals-Brust-Lendenbereich, wogegen der Parasympathikus mehr zentralwärts wie auch weiter peripher entspringt.<br />  Während der Sympathikus leistungssteigernde Impulse leitet, die u.a. zu vermehrten Sauerstoffumsatz, zu erhöhter Atmungs-Kreislauftätigkeit, Erweiterung der Bronchien und Entleerung der Blutdepos führen, fördert der Parasympathikus die Magen-Darm-Tätigkeit, beeinflusst er Atmung, Kreislauf und Grundumsatz hemmend. Je nach Ausgangslage und Ansprechbarkeit der einzelnen Organe können Reizungen der entgegengesetzt wirkenden Nerven bisweilen gleichlaufende Effekte hervorbringen.<br />  Wenn auch die Stärke der eingestrahlten Reize entscheidend sein wird für das Ausmaß der Reaktionen in den Körperzellen, so haben wir daneben in der Empfindlichkeit der zellulären Elemente gegenüber den zugeleiteten Impulsen sicher auch einen wesentlichen Faktor zu sehen. Der eigene Erregungszustand der Zellen, welcher sich in elektrischer Ansprechbarkeit manifestiert und unabhängig&nbsp; ist von übermittelten nervösen Reizen, steht unter dem Einfluss des jeweiligen Zellmilieus und der daraus entspringenden Reaktionen im Zellinneren. Von Bedeutung sind hierbei hormonelle Reize, Mineralienkonzentration in den Zellräumen und Schwankung der elektrischen Zellaufladung. Durch Veränderungen innerhalb dieser Größen entstehen die Unterschiede in der Ansprechbarkeit auf zugeleitete Impulse. Zellen mit hohem Eigentonus werden infolge ihrer stärkeren Empfindlichkeit schneller und intensiver reagieren als Zellgruppen mit normaler oder unterschwelliger Erregtheit. Das trifft für alle Körperregionen zu. Nehmen wir z.B. eine hohen zentralen und peripheren Eigentonus in den Zellen an, dann wird ein Reiz aus der Körperperipherie das Steuerungszentrum im Zentralnervensystem übermäßig stark erregen. Die Impulse, die von hier an die zugehörigen Erfolgsorgane weitergeleitet werden, haben verständlicherweise eine entsprechend hohe Intensität und verleiten das überempfindliche Erfolgsorgan wiederum zu überschießenden Reaktionen. So entsteht eine Kette von Übererregungen.<br />  Nun ist die Atmung durch den Einfluss, welchen sie auf den Sauerstoff-Kohlensäure-Umsatz und damit auf die Stabilität des Ionengleichgewichts, sowie die Blut-Gewebs-Transmineralisation durch Ausbalancierung von Oxydations- und Reduktionsvorgängen ausübt, maßgeblich an der Entstehung des jeweiligen Empfindlichkeitsgrades der Zellen und damit auf den vegetativen Gesamtzelltonus, während Atmungsfehlfunktionen Abweichungen vom zellulären Normaltonus erzeugen müssen.<br />  Damit wird einerseits die fundamentale Wichtigkeit der normal ablaufenden Atmungsfunktionen klar, zum anderen aber auch bewusst, dass Atmungsfehler den Organismus sowohl in seiner Gesamtheit wie in seinen Einzelteilen negativ beeinflussen müssen. <br />  Allerseits bekannt ist die starke Zunahme vegetativer Funktionsstörungen, die sich vorwiegend im Atmungs-Kreislauf- oder Verdauungssystem als jeweils besonders beanspruchtem Funktionskreis manifestieren. Wenn auch alle Organe viele Erregungssteigerungen verkraften, ohne gleich krankhaft zu reagieren, so lösen Impulsvermehrungen doch Schwankungen in den Organfunktionen aus, die gewiss lange Zeit so gering sein können, dass sie dem Betroffenen gar nicht bewusst werden. Erst nach Überschreiten des individuellen Schwellenwertes offenbaren sich die Übererregungen dann als entsprechende Organsensationen.<br />  Damit erlangt die Frage nach Kriterien zur Objektivierung der jeweils bestehenden vegetativen Tonuslage weittragende Bedeutung für krankheitsvorbeugende Bestrebungen. <br />  Nun spiegeln sich in den Atmungsbewegungen alle Feinheiten der gesamten vegetativen Tonuslage eines Menschen wider. Ja, die Größe der Abweichungen vom normalen Atemgeschehen vermag sogar konkrete Anhaltspunkte zu liefern für den Grad der Übererregtheitsunordnung. So lässt sich also sagen, dass Gesunde und Kranke mit anatomisch fixierten Organdefekten in ihrer Atmung normale Abläufe erkennen lassen; Menschen jedoch, deren Störungen auf funktioneller Übererregtheit beruhen, bringen den vegetativen Schockfragmenten entsprechende Abweichungen vom normalen Atmungsmechanismus hervor. Pathologische Strukturveränderungen im Bereich der Atmungsorgane müssen natürlich berücksichtigt werden. Erfreulicherweise sind die Atmungsbewegungen unserer direkten Beobachtung gut zugänglich. Sie lassen sich sowohl durch einfache Betrachtung mit dem bloßen Auge als auch durch elektrographische Registrierung, sowie durch röntgenologische Darstellung einwandfrei erfassen und mithin als regelrechte Indikatoren der Gesamttonuslage herausstellen. <br />  Beim ruhenden Menschen zeigen sich Abweichungen von normalen Atmungsabläufen zunächst in einer Veränderung der Rhythmik. Statt des normalen dreiphasigen Atemvorganges mit Einatmung – Ausatmung – Atempause erkennen wir nur noch die beiden sich abwechselnden Phasen Einatmung – Ausatmung. Die Atempause nach der Ausatmung, dieses wichtige Ruhe- und Erholungsmoment, ist ausgefallen. Sehr bald entstehen auch Abweichungen innerhalb der beiden verbleibenden Atemphasen. Die Einatmung beginnt zunächst mit einer Bewegung im Bereich des unteren Brustkorbes und des Zwerchfelles, springt dann aber entgegen der Norm auf die oberen Brustkorbpartien über. Die Ausatmung besteht in einer rückläufigen Bewegung des fehlerhaften Geschehens. Weiterhin einsetzende Impulsüberhöhungen verlegen endlich die ganze Ein- und Ausatemtätigkeit in den Bereich der oberen Brustkorbregionen. An den auf- und abwärts gerichteten Schlüsselbeinbewegungen werden diese&nbsp; Fehlabläufe besonders deutlich. Physiologische horizontal orientierte Dehn- und Spreizbewegungen im Brustkorbbereich mit spezieller Bevorzugung der unteren Partien sind längst nicht mehr auszumachen.<br />  Wenn wir gesunde Menschen mit normal ablaufenden Atembewegungen beobachten, dann können wir bei ihnen eine imponierende körperliche – geistig-seelische Ausgeglichenheit feststellen, die sich in geistig-seelischer Haltung, in körperlichem Gebaren, überhaupt in allen Organfunktionen offenbart und sowohl im Stadium der Ruhe wie auch während einer Beschäftigung deutlich zum Ausdruck kommt. Jede Tätigkeit wird mit dem ihr adäquaten Ausmaß an Spannung erledigt, überschießende Reaktionen unterbleiben. Man kann treffend sagen, dass ein Maximum an Leistung mit einem Minimum an Energieaufwand vollbracht wird. Menschen, die ihre Körperkräfte derart ökonomisch einsetzen, strapazieren verständlicherweise ihren Organismus weit weniger als diejenigen, welche infolge innerer Unruhe und Unsicherheit in jede Tätigkeit ein Höchstmaß an Anstrengung hineinlegen.<br />  In erster Linie produzieren heutzutage noch viele Jugendliche physiologisch einwandfreie Atmungsabläufe und lassen dadurch ihre vegetative Ausgeglichenheit zutage treten. Diese jungen Menschen sind dann bisher noch nicht durch Umwelteinflüsse ihrer angeborenen Natürlichkeit gestört worden. Sei leben naturhaft beschwingt.<br />  Sehen wir uns nun rüstige alte Menschen an, &#8211; etwas solche, die ihr 80.Lebensjahr bereits überschritten haben – dann können wir auch bei ihnen anhand der physiologischen Atmungsabläufe feststellen, dass ihre vegetative Tonuslage ausgeglichen geblieben ist. Aus einer geruhsamen Zeit heraus haben sie unbewusst ihr psychosomatisches Gleichgewicht erhalten und sind dabei steinalt geworden. Ich habe zahlreiche alte Menschen speziell im Hinblick auf Atmungsabläufe und vegetativen Tonus untersucht und konnte elektrographisch, röntgenologisch sowie spirographisch nachweisen, dass trotz alterspezifischer Abnutzungserscheinungen ihre Atmungsabläufe immer noch im Bereich der physiologischen Norm lagen.<br />  Demgegenüber sind durch Kontrolle der Atmungsabläufe bei 60 – 70% aller Erwachsenen Veränderungen der vegetativen Organfunktionen auszumachen. Diese Tatsachen sollten wenigstens Anlass zu vorbeugenden Überlegungen geben. Wenn wir dabei von der Tatsache ausgehen, dass alle funktionellen Entgleisungen zunächst noch rückgängig zu machen sind, sich jedoch im Laufe der Zeit immer mehr stabilisieren und letztlich in anatomisch fixierte Strukturdefekte des Organgefüges einmünden, dann erlagen frühe Erkennung bzw. Verhinderung der Funktionsentgleisungen grundsätzliche prophylaktische Bedeutung. Idealerweise würden wir Funktionsabweichungen überhaupt unterbinden, jedoch steht solchem Vorhaben die Tatsache entgegen, dass wir uns üblicherweise der krankmachenden Vorgänge erst dann bewusst werden, wenn sie in Form von Organfehlleitung fassbare Gestalt annehmen. Darüber hinaus nimmt meistens doch erst der kranke Mensch zu prophylaktischen oder therapeutischen Maßnahmen eine positive Stellung ein.<br />  Die eigentlichen Schadensursachen lassen sich im Rahmen einer allgemein möglichen Praxis gelegentlich kaum erfassen und noch weniger leicht beheben. Da wir oft höchst unvollständig an das Ursachenspektrum herankommen, bemühen wir uns um so intensiver um die Erfassung und Behebung des Wirkspektrums, wodurch wir hoffen können, das Erscheinungsspektrum auszulöschen.<br />  Zunächst wird die Spannungsführung des Patienten, die in Haltung und Bewegung ihren sichtbaren Ausdruck findet, von Überhöhungen befreit und auf das normale Maß reduziert. Durch Demonstration sind die Unterschiede zwischen Norm und Übermaß augenfällig zu machen. Die Verwirklichung regulärer Spannungsimpulse ist einem intensiv Übenden alsdann leicht möglich. Einer äußerlich sichtbaren Spannungsreduzierung folgt von selbst geistig-seelische Entspannung. Angstkomplexe verschwinden sogleich. Anschließend setzt die Normalisierung der Atemtätigkeit ein, die übungsmäßig so lange durchgeführt werden muss, bis aus bewussten Übungen wieder normal ablaufende Reflexvorgänge geworden sind. Wenn gymnastische oder sportliche Betätigungen in die Bemühungen eingebaut werden, dann ist unbedingt darauf zu achten, dass alles Üben in spannungsfreier Körperhaltung, aus lockeren Gelenken heraus und unter Beachtung physiologischer Atemtätigkeit durchgeführt wird, sonst dürfte der zugefügte Schaden jeden Nutzen übertreffen. <br />  Nach intensiver Rückerarbeitung der normalen Atemweise bleibt diese fortdauernd bestehen, auch wenn der Organismus mit schädigenden Ursächlichkeiten in Berührung kommt. Zudem ist die Stabilisierung der Atmung von einer Reharmonisierung der vegetativen Organfunktionen begleitet. Dadurch nimmt die Empfindlichkeit gegen störende Umweltreize ab. Die Harmonie im vegetativen Gefüge ist wiederhergestellt. <br />  Somit stellt sich heraus, dass ein regelrechter Ablauf der Atembewegungen als unbedingte Voraussetzung für normales Funktionieren aller lebenswichtigen Körperaktionen zu gelten hat. Wenn auch nicht behauptet werden soll, dass atemfördernde Maßnahmen die einzigen Möglichkeiten zur Verhütung vegetativer Fehlfunktionen darstellen, so muss aber immer wieder mit Nachdruck auf ihre diesbezügliche Wichtigkeit hingewiesen werden. Richtige Würdigung dieser grundlegenden Tatsachen bietet besten Schutz gegen vorzeitigen körperlich-geistig-seelischen Verschleiß.</p>
<p>Aus „Atem-Massage-Entspannung“&nbsp; 2/1963 (S. 7 – 12)</p>
<p>Foto: Henner Weinschenk, München </p>
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		<title>Atem und Bewegung</title>
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		<pubDate>Fri, 01 Jan 2010 07:00:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Helga Segatz</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Atem]]></category>
		<category><![CDATA[Atem und Bewegung]]></category>
		<category><![CDATA[Bewegung]]></category>

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		<description><![CDATA[von Dr. med. A. Stampa
Fast alle Bemühungen, Atmungsvorgänge zu erziehen und zu bessern, verbinden Bewegungsabläufe der Atmung mit Körperbewegungen. In der Regel werden willkürliche Körperbewegungen herangezogen, seltener unwillkürliche (wie bei Schlaffhorst-Andersen). Daraus ergibt sich das Bestreben, zu einer Übereinstimmung von Atem- und Körperbewegung anzuleiten. Bei diesem Bemühen stellen sich um so leichter Erfolge ein, je [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>von Dr. med. A. Stampa</p>
<p>Fast alle Bemühungen, Atmungsvorgänge zu erziehen und zu bessern, verbinden Bewegungsabläufe der Atmung mit Körperbewegungen. In der Regel werden willkürliche Körperbewegungen herangezogen, seltener unwillkürliche (wie bei Schlaffhorst-Andersen). Daraus ergibt sich das Bestreben, zu einer Übereinstimmung von Atem- und Körperbewegung anzuleiten. Bei diesem Bemühen stellen sich um so leichter Erfolge ein, je freier</p>
<p>  <span id="more-1057"></span>
<p>&nbsp;der Übende die Übereinstimmung von Atem- und Körperbewegung zustande kommen lassen kann. Für die eigene Form der persönlichen Ausführung sorgen nicht nur die Muskelkräfte der Skelettmuskeln und der Atemmuskeln, die Geschicklichkeit in ihrer Anwendung, die vielleicht durch Wiederholung geübt werden kann – das Verständnis für den Bewegungs-, oder Arbeitsvorgang, sondern auch die seelische Verfassung, Freude an der gestellten Aufgabe oder Widerstand dagegen, Eifer oder Übereifer oder Misstrauen – kurz, die persönliche, geistige Verfassung.<br />  Schwieriger wird die Lösung der Aufgabe, wenn die persönliche Gestaltung der Übereinstimmung einem unpersönlichen Ablauf untergeordnet werden muss, wie bei einem technischen Vorgang, wo die Arbeitsbewegung einer Maschine angepasst werden soll, oder wie bei&nbsp;Massenbewegungen auf Kommando. In diesen Fällen wird die persönliche Lösungsmöglichkeit eingeengt. Hier müssen dann allgemeine Anleitungen gegeben werden, um ein Entgleisen in unzweckmäßige und krankmachende Fehlformen sowohl der Atmung wie auch der Bewegung zu verhindern. Bei solchem Bemühen werden fast ausnahmlos Anweisungen gegeben für ein bewusstes Steuern nicht nur der körperlichen Bewegung der Skelettmuskulatur sondern auch der Atemmuskulatur.<br />  Dem willkürlichen Steuern der Atmung stellt sich womöglich ein ernstes Hindernis entgegen. Bewusst verändern lässt sich die Brustkorbatmung sehr viel leichter als die Zwerchfellatmung. Das kommt daher, dass die Brustkorbmuskeln als Skelettmuskeln durch Kraftleistungen außerhalb des Atmungsvorgangs von Kindheit an geübt und dem Willen gefügig sind; da alle Erziehung sich überwiegend an den Willen wendet, steht die Brustatmung meistens im Vordergrund oder sie tritt in den Vordergrund, sobald von der Atmung etwas verlangt wird. Wo Brustatmung vorherrscht, da ist Zwerchfellatmung stets benachteiligt, denn die Zwerchfellatmung braucht den Einatmungsantrieb des Blutes, und wenn die vorausgehende oder vorherrschende Brustatmung den Einatmungsantrieb aufhebt oder abschwächt, entsteht die allgemein anzutreffende Zwerchfellschwäche. Die volle Atmungskraft, wie sie der Sänger oder Schwerarbeiter brauchen, kann aber nur zur Verfügung stehen, wenn der Zwerchfellanteil ungeschmälert ist. Darum muss in der Regel bei jeder Atemschulung zuvorderst die Zwerchfellatmung gesichert werden.<br />  Die Zwerchfellatmung verlangt zu ihrer Entfaltung ein völlig anderes Vorgehen als die Brustatmung. Die Brustatmung behindert die Zwerchfellatmung. Sie nimmt ihr den Wind aus den Segeln. Wenn das Zwerchfell zu seinem Recht kommen soll, müssen wir die Brustatmung einschränken. Dasw hat vor allem in der Weise zu geschehen, dass die Einatmung mit dem Brustkorb vermieden wird. Man muss also nach der Ausatmung abwarten, bis der Einatmungsantrieb das Zwerchfell zur Einatmung anspannt. Nach der Einatembewegung des Zwerchfells oder auch bei ihr darf sich die Brustkorbbewegung anschließen. Dann stört sie nicht mehr.<br />  Die Zwerchfellbewegung muss also zunächst abgewartet werden, bis sie verfügt wird. Man muss sich ihr unterordnen. Sie geschieht nach dem persönlichen Gesetz. Sie hängt also nicht allein von der Stärke oder Schwäche der Muskelfasern ab, sondern auch oder noch viel mehr von der Stimmung der Person, etwa von ihrer Verdrießlichkeit oder von ihrer Einsatzbereitschaft. Umgekehrt formt die Zwerchfellspannung die Beschaffenheit der Stimme, der Stimmung, der körperlichen und seelischen Verfassung der Person. Es ist nicht von ungefähr, dass die Griechen das Zwerchfell als Sitz der Seele bezeichnet haben. Hier haben sie die Erziehung zu ihrer Kultur angesetzt, haben die Menschen durch Stimmschulung mit Rede und Gesang, durch Tanz und sportliche Wettkämpfe zur höchsten Kultur des Abendlandes erzogen. Das Kennzeichen der Zwerchfellschulung ist: Unterordnen unter ein höheres Gesetz; nicht Selbst-Machen, Selbst-Entscheiden, sondern: Fähig-Sein zur Unter¬werfung unter das Gesetz der persönlichen Anlage, unter das Gebot der Selbstverwirklichung im irdischen Dasein vom rhythmischen Wechsel der Gegensätze. Selten wird ein Mensch zur Erfüllung seines persönlichen Auftrags kommen, ohne zuvor mit seiner Atmung im Gleichgewicht gekommen zu sein. Erst wenn er die Unterwerfung verwirklicht hat, vermag er sein Selbst zu erkennen. Dazu gibt es eine überragende Hilfe: die Zwerchfellatmung, d.h. die ganze, rechte Atmung mit Einschluss der vollen Zwerchfellatmung oder einfach: Atmung auf Grund der Zwerchfellatmung.<br />  Vor allem ergibt sich, dass Zwerchfellschulung nur sinnvoll ist, wenn sie nicht nach allgemeinen Gesichtspunkten, sondern nach persönlichen Notwendigkeiten gepflegt wird. So wie der stimmliche Ausdruck jedes Menschen seine persönliche Eigenart nie verleugnen kann, so behält auch jedes Werk und auch jede Bewegung das Merkmal seiner&nbsp; persönlichen Einmaligkeit, sofern er nicht von außen, durch Kommando oder durch Technik zum Teilstück einer Allgemeinheit erniedrigt wird.<br />  Zwerchfellpflege kann weitgehend dem einzelnen überlassen bleiben, wenn er in kurzen, wenigen Anweisungen auf den rechten Weg gebracht ist.<br />  Wer sich diesen geraden Weg glaubt (als Umweg) ersparen zu dürfen, wird sich unweigerlich ins Gestrüpp einer verwirrenden Vielfalt von Einzelanweisungen verirren, wo die Zwerchfellkräfte unvollkommen entwickelt werden, weil das Übergewicht der Brustkorbatmung belastend bleibt und die allgemeine Verkrampfungsbereitschaft von dort her aufrechterhalten oder gefördert wird. Wer hat es noch nicht versucht, einer anstrengenden körperlichen Leistungssteigerung&nbsp; die Atmung im voraus anzupassen, etwa beim Radfahren oder beim Schnelllauf? Je eifriger man die Atmung zur Beschleunigung zwingt, um so rascher versagt sie – bis zu Erstickungserscheinungen. Erst durch völlige Ablenkung vom Atmungsvorgang stellt sich dann glücklicherweise wieder eine ausreichende Atmung „von selbst“ ein, d.h. der unbewusste Teil der Atmung, die ungesteuerte Zwerchfellatmung rettet die Lage.<br />  Die Krampfneigung dehnt sich vom gewaltsam angespannten Brustkorb auf Hals- und Schlundmuskulatur aus – wie die verzerrten Gesichter mancher „Sieger“ erkennen lassen – und führen oft zu einer verhängnisvollen Verengung der Stimmritze. <br />  Die „Übereinstimmung“ zwischen Körperbewegung und Atmung durch Einzelanweisung erzielen zu wollen, ist grundsätzlich ein unsicherer und dorniger Weg, umringt von Gefahren. Er ist nicht unmöglich. Er beschert Zeitvertreib und endlose Berufsausübung. Gelänge es aber, den einzelnen, wahrhaft Suchenden, zur Pflege seiner Zwerchfellkräfte anzuleiten, so würde der Glückliche in die Lage versetzt, unter Vertiefung seiner persönlichen Selbstfindung nicht nur jedem geistigen Leistungsanspruch gewachsen zu werden.<br />  Die beim unmittelbaren Angehen verzwickten Aufgaben werden gleichsam „von selbst“ gelöst, wenn Krampf, Gleichgewichtsstörung, persönliche Unsicherheit durch zuversichtliche rhythmische Einordnung bei lernendem Bemühen um leibliche und geistige Erfüllung überwunden werden. Nur derjenige verlangt seine wahre Leistungsfähigkeit, der seine Mitte empfunden hat und von seiner Mitte aus sein persönliches Werk gestaltet. Die körperliche Mitte ist das Zwerchfell. Von jedem Grade der Ausbildung hängt es ab, wie unvollkommen oder wie vollkommen leibliche Bewegung oder geistiges Werk gestaltet werden.</p>
<p>&nbsp;(2/1963 Heft: Atem, Bewegung, Entspannung)</p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Verantwortung in der Therapie</title>
		<link>http://www.atemmassage.de/2009/09/verantwortung-in-der-therapie/</link>
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		<pubDate>Tue, 01 Sep 2009 06:19:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Helga Segatz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Atemfundus]]></category>
		<category><![CDATA[Psychoanalyse]]></category>
		<category><![CDATA[Psychotherapie]]></category>
		<category><![CDATA[Verantwortung]]></category>

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		<description><![CDATA[von Prof. Dr. med. Peter Petersen  Vortrag in Lettland im Juli 2009
Ein einziges Wort
&#160;Ein einziges Wort  kann wie fruchtbarer Regen niederfließen  auf die welkende Seele,  ein mitfühlendes Wort.
&#160;Ein einziges Wort  kann wie ein Regenbogen sich spannen über den Weg  und leuchten über dem Staub,  ein einziges, erfreuendes Wort.
&#160;Ein [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>von <a title="" target="_blank" href="/biografische-informationen/prof-dr-med-peter-petersen">Prof. Dr. med. Peter Petersen</a><br />  Vortrag in Lettland im Juli 2009</p>
<p>Ein einziges Wort</p>
<p>&nbsp;Ein einziges Wort<br />  kann wie fruchtbarer Regen niederfließen<br />  auf die welkende Seele,<br />  ein mitfühlendes Wort.</p>
<p>&nbsp;Ein einziges Wort<br />  kann wie ein Regenbogen sich spannen über den Weg<br />  und leuchten über dem Staub,<br />  ein einziges, erfreuendes Wort.</p>
<p>&nbsp;Ein einziges Wort<br />  vom höchsten Bergesgipfel her<br />  kann niedersteigen zu der Seele,<br />  ein erlösendes Wort.</p>
<p>&nbsp;Ein einziges Wort<br />  ist wie eine Treppe mit goldenem Halt<br />  für unsichere Steiger,<br />  ein ermutigendes Wort.</p>
<p>&nbsp;Ein einziges Wort<br />  kann dem Tage den Feierabend bringen,<br />  kann jenen aufrichten, der fällt,<br />  ein menschliches Wort.</p>
<p>1925&nbsp;Aspazija (Elza Rozenberga) 1865-1943<br />  lettische Dichterin<br />  (aus. Riga udeni – Riga im Wasser<br />  Lettische Lyrik, Tapalis 2004)</p>
<p>Mit diesem Gedicht der lettischen Lyrikerin Aspazija (1865 bis 1943) beginne ich. Ihre Worte berühren wesentliche Elemente von Verantwortung. Ver-Antwortung lebt von der Antwort, die ich meinem Partner gebe. Antwort wird getragen vom Wort. Über Wort und Antwort spreche ich später nochmals genauer. <br />  Zunächst einige </p>
<p>  <span id="more-809"></span>
<p>Vorbemerkungen.<br />  Ich werde heute ausschließlich über Verantwortung in der Therapie sprechen – nicht über Verantwortung in der Politik, in der Wissenschaft, in der Kunst. Therapie ist: Begleiten, Dienen, Fördern, Helfen meines Patienten, meines Schülers, jedenfalls des mir anvertrauten hilfsbedürftigen Menschen. Therapie heißt also nicht: Heilen. Heilen ist eine andere Sphäre als Begleiten. Beim Heilen kommen höhere Mächte ins Spiel, ebenso handgreifliche Manipulationen und Eingriffe ins Leben wie beim Chirurgen. Der Therapeut als Begleiter, Diener, Helfer und Förderer jedoch enthält sich im Allgemeinen der Manipulation – nur im Notfall muss er wissen, welcher Eingriff richtig ist.<br />  Verantwortung kann nur in Freiheit gedeihen. Freiheit ist Handeln aus Einsicht in die jetzt und hier waltende Notwendigkeit. Also: Freiheit ist nicht zu verwechseln mit Willkür, mit emotionalem Ausagieren (acting out). Verantwortung braucht die Luft der Freiheit – denn Verantwortung lebt aus der freien Entscheidung der Individualität. Dagegen wird echte Verantwortung durch Zwang, durch bürokratische Vorschriften, durch starre Regeln erstickt. Verantwortung braucht den freien Raum.<br />  Ich werde Ihnen ein Beispiel geben, wie ich Verantwortung als Therapeut wahrnahm und welche Wirkung aus meinem Handeln entsprang.</p>
<p>Bis 1998 war ich 22 Jahre lang als Psychotherapeut in der Frauenklinik der Medizinischen Hochschule Hannover tätig. Damals wurde ich eines Tages plötzlich zu einer Patientin in den Kreissaal (Gebärzimmer) gerufen, es war ein Notfall. Ich nenne die Patientin Maja. Ihr bürgerlicher Name ist anders. Die Entbindung ihres 5. Kindes blockierte seit zwei Tagen. Ein Kaiserschnitt stand bevor. Diese Operation lehnte die Patientin ab, aus Gründen eines zuvor geschehenen Kaiserschnittes, den sie als seelische Verletzung empfand. Das war ein Dilemma zwischen Ihren Ängsten und den Ängsten der Ärzte, das Kind könne Schaden nehmen, zumal angesichts ihrer chronischen Stoffwechselkrankheit.<br />  Die lebhafte, Energie ausstrahlende junge Frau von etwa 30 Jahren mit vier eigenen Kindern war mir bekannt von einer früheren psychotherapeutischen Konsultation. Sie arbeitete in einem therapeutischen Beruf. Damals hatte ich sie und meinen gynäkologischen Kollegen zu beraten vor einer schwerwiegenden Entscheidung. Sie litt seit Jahren unter einer erheblichen körperlichen Krankheit. Deshalb hatte der Geburtshelfer nach der Kaiserschnitt-Entbindung kurzweg eine Sterilisation durchgeführt, geleitet von seiner medizinischen Vernunft, diese Frau habe genug Kinder geboren. Offensichtlich hatte er aber seinen Eingriff nicht ausreichend mit der Patientin zusammen abgestimmt – jedenfalls fühlte sie sich überrumpelt. Dieser Eingriff war in ihren Augen eine Manipulation, das heißt, ungerechtfertigtes ärztliches Handeln. <br />  Ich hatte sie und meinen gynäkologischen Operateur damals zu beraten, ob und inwiefern eine Refertilisierung, eine Wiederherstellung der Fruchtbarkeit sinnvoll sei. Denn sie wünschte sich dringend ein weiteres Kind. Nach der Beratung mit mir gab der mikrochirurgisch arbeitende Kollege ihrem Wunsch nach, diese Operation dauert 3 bis 6 Stunden lang – es ist chirurgische Feinstarbeit – während die Sterilisation in etwa 20 Minuten getan ist. Diese refertilisierende Operation war erfolgreich. <br />  Nun lag diese Patientin in einem mit hellen, kalt wirkenden Kacheln ausstaffiertem Geburtszimmer. Sie erkannte mich schneller als ich sie. Ganz rasch war da ein warmer Kontakt zwischen uns vorhanden. In der nächsten halben Stunde unterhielten wir uns ein wenig über den drohenden Kaiserschnitt. Natürlich war es mir ein leichtes, ihr mein Verständnis entgegen zu bringen für ihre Ängste, gespeist aus ihrer seelischen Kränkung. Es entsprang meiner psychotherapeutischen Routine, ausgerichtet auf ihre gegenwärtige Lebenslage. Ich verzichtete darauf, mit ihr mögliche geburtshilfliche Maßnahmen zu erörtern. Denn diese lagen ohnehin außerhalb meiner Kompetenz. Ich konzentrierte mich ganz auf den gegenwärtigen therapeutischen Raum, der äußerlich gebildet war durch das ungemütliche Geburtszimmer mit vielen chromblitzenden Geräten, natürlich ohne Gardinen: Hygienisch rein, kahl. Möglicherweise habe ich ihre Hand ein wenig gehalten &#8211; aber das war nicht das Entscheidende. Entscheidend war: Ihr gegenwärtiges körperliches Empfinden mit all ihren Ängsten, Verkrampfungen, Kältegefühlen kam zur Sprache. Als ich mich verabschiedete, konnte ich ihr keineswegs ein Hoffnungswort hinterlassen. Bei den Hebammen warb ich um deren Verständnis für die Lage der Patientin – und wir sprachen lange darüber, wie man wohl zukünftig die Kreissaalräume wärmer gestalten könne – mit warmen Farben, mit Holz, mit Bildern.<br />  Ich hatte mit einem Kaiserschnitt gerechnet. Überraschend erfuhr ich am Nachmittag: Der Geburtskanal hatte sich geöffnet, die Patientin konnte spontan entbinden.<br />  Hier war ein Ereignis geschehen. Das Ereignis hatte mich überrascht. Zwar sind mir Ereignisse bekannt aus meiner beruflichen Arbeit. Aber sie lassen sich nicht herbeiwünschen oder gar herbeizwingen. <br />  Inwiefern hatte ich hier meine Verantwortung wahrgenommen?</p>
<p>•&nbsp;Ich hatte erstens meine professionellen Regeln beachtet.<br />  •&nbsp;Ich hatte zweitens einen Dialog sich entspinnen lassen.<br />  •&nbsp;Ich hatte drittens dem Ereignis einen Raum gegeben.<br />  Diese drei wichtigen Punkte werde ich jetzt genauer betrachten.</p>
<p>1. Jeder Beruf – Lehrer, Heilpädagoge, Arzt, künstlerischer Therapeut, Psychotherapeut usw. – hat seine professionellen Regeln herausgebildet. Diese Regeln lernen wir in unserer Ausbildung. Sie sind ein stützendes Korsett, nicht mehr, aber auch nicht weniger. Diese Regeln sind heute oft in Lehrbüchern geschrieben. Sie sind auch juristisch verbindlich – das heißt, bei schweren Regelverletzungen kann es zur juristischen Klage kommen.<br />  Welche Regeln hatte ich im Falle von Maja wahrgenommen? Mit psychotherapeutischem Sachverstand hatte ich die soziale Lage und ihr seelisches Befinden realistisch, auch diagnostisch erfasst. Ich stellte einen warmen Kontakt bei angemessener Distanz her. Empathisch fühlte ich mich in ihre gegenwärtige Situation ein; ich reflektierte meine eigenen Gedanken und Gefühle (Gegenübertragung) und ich spürte die Szene, die die Patientin unbewusst inszenierte (Übertragung); ich beurteilte meine eigenen Möglichkeiten und Grenzen.<br />  2. Der Dialog zwischen uns war ein Geschenk. Dialog heißt wörtlich, das Wort zwischen den Partnern. Dieses Zwischen lässt sich ermöglichen, aber es lässt sich nicht vorsätzlich machen. Der Dialog wird auch bestimmt von so genannter Zweckfreiheit. Auch wenn das Gespräch auf einen Zweck ausgerichtet ist, so sind sich die Dialogpartner darüber im Klaren, das der Zweck nicht durch Druck oder Kraft erreicht werden kann. Das Motto ist „Wirken ohne worum Willen“ (Meister Eckhard) – das heißt, bewirken, ohne nach dem Warum zu fragen.<br />  Der Dialog zwischen der Patientin und mir wurde ermöglicht durch verschiedene Elemente: Meine unbedingte emotionale Präsenz, durch das tiefe Vertrauen von Maja zu mir, das auch die taktile Berührung, das Handhalten möglich machte, schließlich auch meine rasche Reflexion der emotionalen Lage: Ich zögerte einen kurzen Moment, ob ich den von Maja herüber gesandten Funken auffangen sollte und entschied mich dann voll bewusst dazu, auf diese Verbindung einzugehen. </p>
<p>Zwischenräume</p>
<p>Zwischen Ton und Ton<br />  die Hoffnung, Mitschwingendes erzeuge Klang.</p>
<p>Zwischen den Zeilen, <br />  manchmal auch zwischen uns,<br />  die unendliche Strömung.</p>
<p>(Verena Rentsch)</p>
<p>3. Ich hatte dem Ereignis Raum gegeben. Mit unseren professionellen Werkzeugen müssen wir zwar alles tun, die genannten professionellen Bedingungen zu schaffen, so dass das Ereignis sich einstellen möge. Aber: Es stellt sich ein, von selbst. Es ist ein selbstgebender Akt, der Geber ist verborgen. Nicht wir können es herstellen. Es ist nicht herstellbar, so wie wir ein Haus bauen können nach detaillierten Konstruktionsplänen, die unserem Verstand entsprungen sind. <br />  Auch therapeutisches Handeln orientiert sich an rational vorgegebenen Plänen, Regeln und Leitlinien von Therapie. Zugleich weiß ich aber: Die Wirksamkeit dieser Pläne ist relativ, sie sind lediglich ein Leitseil, um grobe Fehler zu vermeiden. <br />  Mit meiner therapeutischen Haltung versuche ich mich einzuschwingen auf eine mittlere Einstellung. Diese mediale Einstellung von höchster Aufmerksamkeit liegt zwischen passivem Kommenlassen und aktivem Eingreifen. Diese mediale Einstellung gehorcht dem Motto „Nicht machen – das Dritte sich einstellen lassen“.<br />  Es ist das Dritte zwischen Dir und Mir, zwischen Patientin und Therapeut, zwischen uns. Es ist das heilsam wirkende Ereignis. Um ein Ereignis Wirklichkeit werden zu lassen, bedarf es unserer Geduld – Geduld ist hier gekonnte Langsamkeit. Dazu gehört eine Sorgfalt, die konkretes Ahnen übt. Eine amerikanische Kunsttherapie-Kollegin hat dafür die Worte gefunden:</p>
<p>Those, who part the waters are holy<br />  Those, who wait for the waters to part are divine.</p>
<p>(Mary Talmage)</p>
<p>Zu deutsch:<br />  Wer die Wasser teilt, ist heilig.<br />  Wer wartet, bis die Wasser sich teilen, ist göttlich.</p>
<p>Diese wartende Haltung hat ihre eigenen logischen Regeln – aber es ist eine Logik des Herzens, wie Pascal sagte. Das Herz als psychosomatisches Organ der Begegnung ist Wahrnehmungsorgan für das Ereignis. Das Herz als Mitte zwischen oben und unten, zwischen Kopf und Hand, zwischen kühlem Verstand und der emotionalen Hitze des Bauches und des Geschlechtes, zwischen Kontrolle und Handlung. Das Herz ist Vermittler, es ist nicht steuerndes Zentralorgan, so wie das Hirn neuerdings&nbsp; modisch wieder im Mittelpunkt psychosomatischer Forschung steht. </p>
<p>Zukunft: Dem Ereignis seinen Raum geben.</p>
<p>Die kurze Therapiegeschichte Majas lehrt auch: Um dem Ereignis seinen Raum geben zu können, dazu bedarf es einer Denkstruktur, die dem Geschehen gerecht wird. Diese Denkstruktur ist den vorhin genannten therapeutischen Regeln übergeordnet. Denkstrukturen entsprechen einem anthropologischen Konzept. Es wäre eine schlimme Täuschung zu glauben, wir könnten auf konkretes, präzises Denken verzichten. Therapie entspringt einem klaren Denken, nicht allein dem tastenden Fühlen. Mehr denn je gilt heute: Der Mensch ist, was er denkt, dass er ist. Was heute gedacht wird, wird morgen in die soziale und kosmische Welt umgesetzt. Rose Ausländer fasst das in ihre Sprache:</p>
<p>Gib mir<br />  den Blick<br />  auf das Bild<br />  unserer Zeit.</p>
<p>Gib mir Worte<br />  es nachzubilden.<br />  Worte<br />  stark<br />  wie der Atem<br />  der Erde.</p>
<p>(Rose Ausländer)</p>
<p>Die Methode dieses Denkens ist zarter Empirie verpflichtet – nicht ausufernder Spekulation. So wie die Stimme der Vernunft leise ist,&nbsp; um dem Zwischen-Raum einem Ereignis zur Verfügung zu stellen, mögen wir eine Fähigkeit auch in der Heilkunde neu kultivieren, welche die alten Ärzte und Therapeuten längst praktizierten. Heute spricht man leichthin von Intuition – nicht selten ohne diese Wort recht mit Inhalt zu füllen. Das deutsche Wort lautet: Ahnung. Wer schweigt und wartet und dabei nicht einschläft, sondern die wache Spannung der Frage aushält, dem wächst eine neue Fähigkeit zu. Er lernt das Ahnen, ohne das Begreifen zu vergessen. Ahnen und Schauen sind auf ein unsichtbares Ganzes gerichtet, das für den ausgerichteten Blick und für den zupackenden Begriff nicht existent ist. Die Wirklichkeit des Ahnens ist die Zukunft. <br />  &nbsp;<br />  Verantwortung des Therapeuten: Absoluter Schutz des therapeutischen Schmerzraumes</p>
<p>Der therapeutische Raum bedarf des absoluten Schutzes. Die Schweigepflicht des Therapeuten gilt für alle ähnlichen Berufe, die mit Therapie zu tun haben. Die Verantwortung des Therapeuten ist eindeutig; er hat mit aller Aufmerksamkeit auf diesen Schutz und die Schweigepflicht zu achten. Diese Schweigepflicht gilt allerdings auch für den Patienten – es sei denn, er glaubt, der Therapeut habe eine Grenzverletzung begangen. <br />  Die absolute Schweigepflicht kann in Supervisionen und Balintgruppen teilweise aufgehoben werden. Denn in Supervisionen müssen detaillierte Einzelheiten zur Sprache kommen, da sonst die Supervision unwirksam ist. Allerdings wird dabei der Name des Patienten nicht genannt. <br />  Auch wenn die therapeutischen Abläufe völlig anonymisiert sind, besteht Schweigepflicht. Bevor ich das wusste, passierte mir folgender schwerer Fehler:<br />  Aus einer laufenden Psychotherapie berichtete ich eine akute Episode in meiner Vorlesung (die ja insofern öffentlich ist, weil ein offener Raum besteht, auch wenn die Studenten unter Schweigepflicht stehen) – ich bringe deshalb gern akute Episoden in Vorlesungen, weil ich weiß: Etwas von der aktuellen Brisanz der Therapie kommt auch meist zu den Hörern hinüber. Aber was passierte: Kaum kam ich nach der Vorlesung in mein Büro zurück, so klingelte das Telefon – die betreffende Patientin rief mich völlig verwirrt an, so wie ich sie noch nie erlebt hatte. Sie war auch sonst nicht verwirrt. Sie sagte, sie wisse selbst nicht, was mit ihr los sei. Ich beruhigte sie. Es gelang. Ich aber ahnte ziemlich genau, warum sie verwirrt gewesen war – jedoch sagte ich ihr das selbstverständlich nicht, denn das hätte sie noch zusätzlich geschädigt.<br />  Was war geschehen: Ich vermute: Es war emotionale Fernwirkung. Solche Fernwirkungen sind seit den parapsychologischen, synchronistischen Experimenten C. G. Jungs wohl bekannt. Synchronisation heißt hier Gleichzeitigkeit nichtkausaler Zusammenhänge, die an verschiedenen Orten stattfinden, ohne dass diese Ereignisse durch physische Mittel verbunden sind. Man kann sagen, die Kräfte, die im Unsichtbaren unseren Weg bestimmen.<br />  Derartige Fernwirkungen habe ich niemals mehr beobachtet, wenn ich meine Patienten vorher gefragt habe, ob ich eine bestimme Episode zu einem bestimmten Zeitpunkt bei einer bestimmten Gelegenheit erzählen dürfe. Wenn die Patienten einverstanden waren, passierte keine Fernwirkung. Eine bewusste Vereinbarung schützt offenbar ebenso wie der geschlossene Kreis einer Balintgruppe.<br />  Ich möchte mit diesem Beispiel hinweisen auf den absoluten Schutz des therapeutischen Raumes. Joseph Beuys sprach bei einer Installation vom Schmerzraum mit dem Motto „Zeige deine Wunde“. Wenn der Patient seine Wunde zeigt, muss er sicher sein können, dass er und seine Wunde geschützt sind.</p>
<p>Grenzen setzen</p>
<p>Grenzen gehören essentiell zum therapeutischen Raum. Der Therapeut ist verantwortlich für die Grenzen: </p>
<p>•&nbsp;Er formuliert und erklärt die Grenzen (zeitlich, räumlich, in der zwischenmenschlichen Beziehung und im Wahrnehmen des Raumes). Dazu gehört z. B.: Strikte Beachtung der Uhrenzeit (auch wenn die Therapiestunde im Notfall überdehnt werden kann), Vereinbarung über den Ort der Therapie (im Therapiezimmer, im Klassenraum, auf dem Sportplatz usw.); die Methode (Regel) in der Therapie wird vereinbart (in meinen Psychotherapien z. B. sage ich: „Sie können und dürfen hier alles tun und sagen, aber ich werde Sie hindern an Zerstörungen und an Beleidigungen/Verletzungen meiner Person und Ihrer selbst).<br />  •&nbsp;Er wacht darüber, dass die Grenzen eingehalten werden.<br />  •&nbsp;Er schreitet notfalls mit Gewalt ein, wenn Grenzen verletzt werden.</p>
<p>In extremen Beispielen zeigt sich oft das Wesen der Sache. Ich nenne zwei solcher Beispiele.</p>
<p>Eine mit mir befreundete Kunsttherapeutin, Elisabeth Wellendorf in Hannover, &#8211; sie ist auch als Kindertherapeutin ausgebildet – arbeitete über längere Zeit mit einem Mädchen von etwa 4 Jahren Alter. Ich nenne das Mädchen Anna. Anna kam gern in die Therapiestunden. Sie malte mit Aquarellfarben, mit Farbstiften, sie formte mit Ton und baute Holzfiguren. Eine Tages begann sie mit den Farben die Möbel zu beschmieren und zerbrach die Malpinsel. Elisabeth ermahnte sie, diese Zerstörung zu beenden. „Höre damit auf“. Aber Anna hörte nicht auf diese Worte, sie setzte ihr Zerstörungswerk fort. Da packte Elisabeth beide Arme der kleinen Anna und hielt sie fest, sanft gedrückt an ihren eigenen Körper. Unter dieser Begrenzung konnte das Kind endlich eine wichtige, traumatische Begebenheit äußern – wie sie wehrlos von ihrem Vater geschlagen worden war und sich niemals gegen ihn äußern konnte.</p>
<p>Ein anderes Beispiel widerfuhr mir selbst. Über längere Zeit arbeitete ich mit einer etwa 25 Jahre jüngeren Frau, die wegen Partnerschaftsproblemen mit ihrem Mann zu mir kam. Eines Tages erschien diese attraktive und temperamentvolle Frau in ein schönes rotes Gewand gekleidet mit den Worten: „Ich möchte ein herrliches orgiastisches Fest mit Ihnen feiern!“ Dabei blitzte sie mich auffordernd an; sie war erotisch erregt. Mir verschlug es im ersten Moment die Sprache, da mir dies in meiner Praxis von mehreren Jahrzehnten noch nicht passiert war. Ich war mir selbst völlig sicher, dass ich mich auf diese Verführung nicht einlassen werde. Die Frage war nur: Wie verhalte ich mich. Wenn ich die Sitzung sofort beendet hätte, so wäre das eine Verletzung für die Patientin gewesen. Natürlich sagte ich ihr: „Ich werde auf Ihren Wunsch nicht eingehen: Wir sind kein Liebespaar. Wenn ich auf Ihren Wunsch einginge, wäre das das Ende unserer Therapie, weil sich Psychotherapie und erotische Beziehung ausschließen!“ <br />  Zwar verstand sie meine Worte und hielt sich auf Abstand – aber sie tat mir leid, weil ihre Erregung offensichtlich anhielt. Um sich vielleicht zu entspannen, schlug ich ihr vor, sich auf die Couch zu legen. Bäuchlings lag sie dort und erlebte offenbar einen körperlichen Orgasmus. Ich hätte an dieser Stelle den Raum verlassen können, da es ein intimer Vorgang war. Jedoch hätte sie das ebenfalls verletzt. Da ich kein Voyeur sein wollte, rückte ich meinen Stuhl ein wenig näher und legte behutsam eine Hand auf ihr Schulterblatt, ohne zu streicheln. Ich hinderte sie aber, mein Knie zu berühren – „das überspannt den Bogen des Erträglichen“ sagte ich ihr zur Begründung. Schließlich beruhigte sie sich. Wir konnten die Sitzung beenden. Sie fühlte sich nicht beschämt,&nbsp; und sie fühlte sich von mir respektvoll begleitet. <br />  Ich selbst war nach dieser Sitzung völlig erschöpft: Ich hatte die Spannung auszugleichen zwischen therapeutischer Distanz, Abgrenzung gegen heftige sexuelle Verführung durch eine attraktive, kraftvolle Frau, meinen eigenen Gefühlen von ärgerlichem, gewalttätigem Überrumpelt sein und meinen eigenen Begehrungen (Gegenübertragung) – und ich hatte dabei eine freundliche, respektvolle Zuwendung als Therapeut zu realisieren.<br />  Später konnte sie darüber sprechen – sie war dankbar für meine vorsichtige Grenzsetzung. Offenbar hatte sie ihrem Mann etwas angedeutet – jedenfalls kamen beide später, um mir zu danken. Die Spannung zwischen Ihnen hatte sich gemildert.</p>
<p>Bei diesen beiden Beispielen war es notwendig, eindeutige Grenzen zu setzen gegenüber gewalttätigem Einbruch und Verletzung des therapeutischen Raumes. </p>
<p>An diesem letzten Beispiel wird auch deutlich. Die Verantwortung des Therapeuten wahrzunehmen ist bewusster Verzicht. Bewusster Verzicht auf eigene Wünsche und Bedürfnisse, Verzicht auf halbbewusste, rasche, heftige Reaktionen (denn Antwort ist bewusstes, reflektiertes Handeln angesichts aller Spontaneität), bewusster Verzicht auf ureigene Gedanken und weltanschauliche Konzepte, und mögen sie objektiv noch so richtig und wichtig sein, bewusster Verzicht auf Lieblingsideen. Der Therapeut ist mit seiner Antwort und seinem Wort ganz auf die Gegenwart seines Patienten ausgerichtet. Dabei muss der Therapeut seine eigenen Gefühle, Triebe, Bedürfnisse, seine Konzepte und Weltanschauung, seine eigene Vergangenheit kennen – aber er darf sie nicht in der Therapie ausleben – es sei denn, es passt in die Situation.<br />  „Vergebens werden ungebundene Geister nach der Vollendung reiner Höhe streben, in der Beschränkung zeigt sich erst der Meister, nur das Gesetz kann uns die Freiheit geben“ (Goethe).</p>
<p>Bewusster Verzicht passt nicht in unser gegenwärtiges Zeitalter. Wir leben im Zeitalter des Überflusses von Waren und verführerischen Angeboten, scheinbarer Grenzenlosigkeit, der Beliebigkeit menschlicher Beziehungen. Ich erinnere an ein Wort von Jaan Kross, dem großen estnischen Schriftsteller (gestorben 27.12.2007) über die Transformation der baltischen Staaten 1991: „Wir kamen aus dem Gefängnis und betraten ein Warenhaus!“&nbsp; Wer sich diesem Zeitgeist des Warenhauses nicht ausliefert, wird als reaktionärer Traditionalist denunziert. Jedoch kommt es für uns Therapeuten darauf an, uns zu vergegenwärtigen: Nicht weil wir nach rückwärts schauen,&nbsp; nehmen wir unsere Verantwortung als Grenzen setzende Therapeuten wahr; vielmehr wissen wir um den Ursprung unserer therapeutischen Werte. Wir schwimmen nicht im Mainstream mit: Denn nur tote Fische schwimmen mit dem Strom, lebendige schwimmen gegen den Strom, um zu den Quellen zu kommen.<br />  Bevor ich das Gedicht „Ein einziges Wort“ nochmals vorlese, möchte ich abschließend dazu bemerken: Mit Wort ist natürlich jede Form von therapeutischem Medium gemeint; neben dem Wort die Musik, die Farbe, die Plastik, die Bewegungsgeste, die Sprachgestaltung, das Schauspiel und anderes. Meine Verantwortung als Therapeut kann nur zur Geltung kommen, wenn die Grenzen des therapeutischen Raumes gewahrt bleiben. Dann kann ein Wort des Therapeuten mitfühlen (Empathie ausdrücken), dann kann sein Wort Freude entfachen, dann kann das Wort eine Fessel lösen, das Wort kann ermutigen. Und wenn es spontan aus dem Herzen kommt, so ist es ein menschliches Wort. Ich schließe nun mit dem Gedicht „Ein einziges Wort“ von Aspazija:</p>
<p>Ein einziges Wort<br />  &nbsp;Ein einziges Wort<br />  kann wie fruchtbarer Regen niederfließen<br />  auf die welkende Seele,<br />  ein mitfühlendes Wort.</p>
<p>&nbsp;Ein einziges Wort<br />  kann wie ein Regenbogen sich spannen über den Weg<br />  und leuchten über dem Staub,<br />  ein einziges, erfreuendes Wort.</p>
<p>&nbsp;Ein einziges Wort<br />  vom höchsten Bergesgipfel her<br />  kann niedersteigen zu der Seele,<br />  ein erlösendes Wort.</p>
<p>&nbsp;Ein einziges Wort<br />  ist wie eine Treppe mit goldenem Halt<br />  für unsichere Steiger,<br />  ein ermutigendes Wort.</p>
<p>&nbsp;Ein einziges Wort<br />  kann dem Tage den Feierabend bringen,<br />  kann jenen aufrichten, der fällt,<br />  ein menschliches Wort.<br />  &nbsp;</p>
<p><a title="" target="_blank" href="/wordpress/veranstaltungshinweise/">Veranstaltungshinweis:</a></p>
<p>Prof. Peter Petersen hält&nbsp;am 14.11.09 in München bei der Fachtagung:<br />  &quot;Wenn das Leben mit dem Tod&quot; beginnt einen Vortrag zu dem <br />  Thema: Trauer nach Schwangerschaftsabbruch &#8211; unser Bewusstsein vom Tod<br />  im Leben &#8211; meine Erfahrungen als Psychotherapeut.&nbsp; </p>
<p>Ebenfalls einen Workshop zu dem Thema: Seelische Veränderungen beim Schwangerschaftsabbruch. </p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Vom Lachen und vom Lächeln</title>
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		<pubDate>Sat, 01 Aug 2009 09:00:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Helga Segatz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Atemfundus]]></category>
		<category><![CDATA[Lachen und Weinen]]></category>
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		<description><![CDATA[Der verlorenste aller Tage ist der,  an dem man nicht gelacht hat.  &#160;&#160;Nicolas Chamfort
  von Dr. K.O. Kuppe &#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;aus Atem und Mensch 1/1965
  In vorchristlicher Zeit hat bereits Heraklid den Ausspruch getan, dass Lachen und Weinen des Menschen heilige Handlungen seien. Er hat das wissenschaftlich bewiesen, aber er hat wahrscheinlich intuitiv [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Der verlorenste aller Tage ist der,<br />  an dem man nicht gelacht hat.<br />  &nbsp;&nbsp;Nicolas Chamfort</em></p>
<p>  von Dr. K.O. Kuppe &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;aus Atem und Mensch 1/1965</p>
<p>  In vorchristlicher Zeit hat bereits Heraklid den Ausspruch getan, dass Lachen und Weinen des Menschen heilige Handlungen seien. Er hat das wissenschaftlich bewiesen, aber er hat wahrscheinlich intuitiv erfasst, dass sowohl im Lachen als auch im Weinen etwas Elementares, Ursprüngliches zum Ausdruck kommt.<br />  Jedes Lachen und jedes Weinen führt zu einer seelischen und auch körperlichen Erschütterung. </p>
<p>  <span id="more-769"></span>
<p>Um diese Erschütterung ging es ja auch den Dramatikern unter den Griechen. Es war die Aufgabe des Schauspielers, den Zuhörer zu erschüttern, dass es zu einer Katharsis, zu einer inneren Läuterung und Wandlung geführt wird. Sowohl die griechische Tragödie als auch die Komödie vermochten dieses Ziel zu erreichen. Die Helden Homers brechen in ein zwerchfellerschütterndes Lachen aus.<br />  Lange Jahrhunderte hindurch schien die Bedeutung von Lachen und Weinen für die leibliche und seelische Gesundheit des Menschen in Vergessenheit geraten zu sein. Wenn man heute den Versuch unternimmt, in medizinischen Lehrbüchern, im Brockhaus, im Lexikon für Naturheilkunde nachzuschlagen nach Begriffen wie Lachen und Weinen, so findet man schon im Stichwortverzeichnis diese Ausdrücke nicht. Auch die Literatur über den Atem macht darin keine Ausnahme. Im Duden steht lediglich, wie man die Worte schreibt. Es ist das Verdienst der modernen Psychotherapie, diesen Urfunktionen des Menschen wieder größere Bedeutung zuzumessen.<br />  Zunächst müssen wir die Frage aufwerfen: Was geschieht eigentlich, wenn der Mensch lacht, wenn er herzhaft, lautschallend lacht? Sein ganzes Gesicht verwandelt sich, leuchtet scheinbar auf. Mund, Nase und Augen werden weit und breit gestellt, und durch den geöffneten Mund wird die Luft explosionsartig ausgestoßen. Wenn das Lachen so richtig aus der Tiefe herauskommt, dann nimmt der ganze Körper an dieser Erschütterung teil, er biegt sich vor Lachen. Man kann vor Lachen „platzen“, nach dem Volksmund kann man sich auch „totlachen“. Vor dem Röntgenschirm würden wir das Zwerchfell auf-, und abschwingen sehen, je nach Schnelligkeit des ausgestoßenen „Ha ha ha“. Anspannung und Entspannung des Zwerchfells folgen in rhythmischen und schnellen Wechsel. Man ist nach einer solchen Lachsalve erschöpft, aber man ist auf jeden Fall entspannt. Da die Bedeutung des Lachens im Ausatemvorgang liegt, ließe sich noch sehr viel dazu sagen, dass z.B. in vermehrten Maße Kohlensäure ausgeatmet wird, dass indirekt wiederum die Einatmung vertieft wird, dass Spannungen des Zwerchfells gelöst werden, dass die Blutzirkulation angeregt wird und dass der Leberstoffwechsel gesteigert wird und vieles andere mehr. Diese physiologischen Tatsachen sollen hierbei nur gestreift werden. Wir können soviel lachen, dass wir Tränen in die Augen bekommen, und es gibt Menschen, die so herzhaft lachen können, dass ihre ganze Umgebung angesteckt wird, ohne den Grund ihres Gelächters zu kennen. Lachen ist „innere Bewegung“, es vermag sich fortzupflanzen wie Schallwellen. Lachen bedeutet Befreiung, wenn eine persönliche, eine ernste oder auch gefahrvolle Situation sich um Komischen hin auflöst. Beim Kind offenbart sich das Lachen am schönsten, am elementarsten. Hat un snciht alle einmal das Kasperle-Theater zum Lachen oder Weinen geführt? Später waren es der Zirkusclown, und für den Erwachsenen ist es der geistreiche Conferencier. Lachen ist etwas Geistiges, ausgelöst durch ein Bild oder durch eine Vorstellung. Nur Menschen vermögen zu lachen, Tiere können es nicht.<br />  Die stillere Schwester des Lachens ist das Lächeln. Es ist nicht explosiv, es ist nicht stürmisch, aber irgendwie ist es auch elementar. Es durchleuchtet den Menschen von innen heraus. Ein wirkliches Lächeln kann ein Gesicht verklären. Vielleicht könnte man von einem stilleren, vergeistigteren Prozess des Lachens sprechen. Vielleicht verstehen wir das Lächeln besser, wenn wir an seinen Gegensatz, das Grinsen denken.<br />  Grinsen ist immer etwas Hässliches. In der Kunst des Mittelalters sind Teufel und Hexen immer grinsend dargestellt. Das hämische Grinsen ist gebunden an niedere Instinkte, an Neid, Schadenfreude, Lust am Quälen, aber es führt niemals zur Lösung, es führt zur Grimasse, zu einer extremen Verspannung, zu einer Verzerrung des Gesichts, zu einer Verspannung des ganzen Körpers, es führt zur Hässlichkeit der Bewegung.<br />  Mit Humor erhebt der Mensch sich über sich selbst und über sein Schicksal. Auch im Galgenhumor findet ein solcher Prozess statt. Vielleicht ist die Erzählung aus dem Mittelalter schon in Vergessenheit geraten: Ein zum Tode Verurteilter wird bei strömenden Regen aus dem Gefängnis zum Galgen geführt. Auf dem Wege dorthin sagt er zu seinem Henker: „Gott sei Dank, dass ich bei diesem Sauwetter nicht wieder zurück muss!“ Das ist Galgenhumor im wahrsten Sinne des Wortes. Das ist aber auch ein Zeugnis menschlicher Geisteshaltung, die die Tragik der Situation bereits überwunden hat. Viele Frontsoldatenwitze beruhen auf derselben Ebene. Humor bedeutet aber auch Selbstschau, Erkennen der eigenen Schwäche. In den liebenswerten Gestalten von Graf Bobby, von Poldi, von Tünnes und Scheel, im sächsischen Humor und im jüdischen Witz begegnet uns immer wieder jene ehrliche Selbstkritik, die in der bildhaften Einkleidung eines kurzen Witzes weit mehr auszudrücken vermag als eine lagen, psychologische Abhandlung.<br />  Die Karikatur, die Satire ist immer gegen eine 3. Person gerichtet. Der Berliner Humor liefert dafür viele Beispiele. Besonders liebenswert aber bleibt das Erkennen und Beleuchten der eigenen Schwächen, für das der Wiener und der süddeutsche Humor viele Beispiele hat. <em>Rudolf Maier</em> schreibt in der „Weisheit der deutschen Märchen“: “Ohne souveränen Humor wird man niemals den wahren Geist finden“. Viel stilles Lächeln ist in den deutschen Volks-märchen verborgen. Zwerge und Gnomen, sprechende Tiere, das tapfere Schneiderlein oder die Prinzessin, die auf der Erbse schläft, haben ihn. <br />  Lachen und Lächeln sind eine geistige Macht. Sie vermögen den Menschen im wahrsten Sinne des Wortes aus der Verspannung des Alltags zu lösen. Nicht nur im übertragenen Sinn wird hier der Mensch gelöst, sondern ganz real, seelisch und körperlich. Vielleicht wird einmal eine Zeit kommen – und das wird gewiss eine schöne Zeit sein &#8211; , wenn wir unser Straßen und Plätze nicht mehr nach Feldherren und Politikern benennen, sondern nach denen, die die Menschen zum Lachen und Lächeln brachten, die sie lösten aus dem Alltag und der Bedrängnis ihres Körpers. <em>Curt Goetz</em>, einer der großen Meister des Humors, schrieb seinem „Dr. med. Hiob Praetorius“ den inhaltsschweren Satz: Was uns fehlt, ist Freude; was wir brauchen, ist Hoffnung; was uns nottut, ist Zuversicht; wonach wir dürsten, ist Liebe und wonach wir verschmachten, ist Frohsinn.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
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