das Schulfach „Glück“

von Helga Segatz

wurde in Heidelberg in der Willy-Hellbach-Schule (= Berufsfachschule und Wirtschafts­gymnasium) von dem Schulleiter Ernst Fritz Schubert entwickelt. Es findet derzeit in über 30 Schulen im deutschsprachigen Raum Anwendung und wurde durch Prof. Gehmacher (OECD-Beauftragter Österreichs) und Prof. Wolfgang Knörzer (Päd. Hochschule Heidelberg) evaluiert. 2008 bekam es durch Bundespräsident Köhler eine Auszeichnung durch eine gemeinsame Initiative von Wirtschaft und Bundesregierung: den Preis für „Deutschland – Land der Ideen“.  Die Evaluationen belegen den Erfolg des Programms v.a. auf den Ebenen der Verbesserung des seelischen, körperlichen und sozialem Wohlbefindens sowie der Stärkung der Persönlich­keit.

Worum geht es?

Das Schulfach „Glück“ ergänzt die schulische Bildung und deren Aufgabe, die Jugendlichen auf eine akademische oder beruflichen Laufbahn vorzubereiten, um den Bildungsanspruch, im Sinne der Erziehung die Jugendlichen zu gebildeten und kultivierten Menschen, zu erziehen. Dabei werden die persönlichen Anlagen und Möglichkeiten der Jugendlichen aufgenommen und weiterentwickelt. Da die Familien offenbar nicht mehr durchgehend in der Lage sind, gesellschaftliche Werte, wie traditionelle Verhaltensweisen, Traditionen und Normen zu vermitteln, versucht das Schulfach "Glück" diese als Grundlagen für

ein zufriedenes und  erfolgreiches Leben – auch als Basis einer intakten Gemeinschaft – erfahrbar zu machen. Auf Grundlage des aristotelischen Glücksbegriffs soll die eigene Verantwortung für Seele und Körper auch als der Wert schöpfende Bezug zur Gemeinschaft erfahren werden. Dabei erfahren die Schüler, dass Glück erlernbar ist und sich im glücklichen und erfolgreichen Tun widerspiegelt.

Auf der kognitiven, emotionalen und körperlichen Ebene werden Erkenntnisse erfahrbar gemacht, die die individuelle Wertehierarchie in Beziehung setzt, zu denen, von Gruppen-, bzw. Gesellschaftszielen. Jeder Schüler muss dabei eine Dokumentationen erstellen, die der eigenen kritischen Reflektion und Korrektur dient und das Erfahrene alltagstauglich macht.

Dabei entwickeln die Jugendlichen ihre Möglichkeiten sich zu freuen, zu reflektieren aber auch die Fähigkeit mit Niederlagen umzugehen.  Dies ist ein wesentlicher Baustein für das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten, die die Verantwortung für das eigene Handeln stärkt, und so zu einer Lebenskompetenz führt, die die Schüler in ihr späteres Berufsfeld und Leben übernehmen können.

Das Schulfach „Glück“ geht dabei über die verbal vermittelten Inhalte der Schulfächer Religion und Ethik hinaus, indem es die Schüler diese Werte leiblich erfahren und reflektieren lässt. Im Umgang mit Minderheiten kann eine Übung dazu z.B. so aussehen: Man "bildet eine Gruppe von Schülern, die im gleichen Tempo vorauslaufen. Ein einzelner Schüler bekommt die Aufgabe, langsam hinterherzulaufen. Er wird das Alleinsein spüren und diese Erfahrung bleibt hängen auch ohne viele Worte." (Ernst Fritz Schubert in einem Interview). Das Schulfach "Glück" wirkt sich deutlich positiv auf die Schulatmosphäre aus. Das wird von Schülern und Lehrern gleichermaßen so empfunden.

Angewandte Mittel sind:

Erlebnispädagogische Ansätze, Rollenspiele, Konzentrations-, und Wahrnehmungsübungen, Erfahrungen in Sport und Musik vermitteln den Schülern Selbstvertrauen und üben gleichzeitig kollektives Verhalten ein. Schüler erkennen ihre Stärken ebenso wie ihre Schwächen und erhalten somit wertvolle Impulse für ihre Lebensfreude und Persönlichkeitsentwicklung. So lernen die Schüler z.B. beim Klettern am Seil, dass Vertrauen und Verantwortung zwei Seiten einer Medaille sind.

Der Unterricht im Schulfach „Glück“ ist keine Konkurrenz zu bestehenden Fächern, sondern als Ergänzung konzipiert. Er ist für alle Jahrgangsstufen geeignet und wird dem Alter angepasst. Die Umsetzung erfolgt als Nachmittagsunterricht, als Arbeitskreis, als Förderstunden oder als Projektwoche.

mehr Informationen unter
ZDF Mediathek: Film zum Schulfach Glück
Podcast ARD Mediathek zum Schulfach Glück

Sehen Sie auch einen ARD Beitrag zum Thema: Deutschland unter Druck (1) die überforderten Kinder:
Chinesisch für Babys, Managerkurse für Kleinkinder, Yoga in der Krippe – zwischen Geigenstunde, Frühenglisch und Schulaufgaben: Aus Sorge um die Zukunftschancen ihrer Kinder setzen immer mehr Eltern den Nachwuchs einem ungeheuren Leistungsdruck aus.
Klicken Sie hier

Das oben abgebildete Buch"’Schulfach Glück" von Ernst Fritz Schubert erschien im Herder Verlag 2008